Büchernische

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{Novitäten} Die Träume eines kleinen Bombardierkäferchens

Einen schönen Tag wünsche ich euch, alle gut aus den Federn gekommen? Der Kaffeeduft zog heute morgen durch die Wohnung, das Brötchen wartete mit leckerer Erdbeermarmelade auf dem Teller vor mir und draußen zwitscherten die Vögel. Bei meinem Spaziergang gestern Richtung Buchladen – ihr erinnert euch, gestern warIndiebookday - habe ich die gelben Blüten von Forsythien bewundert, mich an der roséfarbenen Pracht der Mandelbäume erfreut und richtig gespürt, dass endlich Frühling ist. Die Sonne lacht immer öfter vom blauen Himmel und wärmt das Gemüt, das tut sooo gut. Heute hat sie sich zwar hinter einem dichten grauen Wolkenkleid versteckt, doch das kann die Laune nicht trüben. Selbst die laufende Nase und der brummende Buchmesseerkältungskopf vermag das gerade nicht zu schaffen, denn ich bin in Bloglaune und möchte euch heute ein buntes Kinderbuch vorstellen. Achtung, Bühne frei für das putzige Bombardierkäferchen Luna! *tusch*

 

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Hervorgehobene Textpassagen, wundervolle Illustrationen und eine sehr niedliche Protagonistin :-)

 

Vom kleinen Käfer zum großen Star

 

Der Boje Verlag ist das Kinder- und Jugendbuchimprint von Bastei Luebbe und begeistert meinen Lesenachwuchs und mich immer wieder mit richtig tollen Büchern, z.B. eines meinerCoverjuwelen, nämlich Jessica Martinez »Virtuosity« oder die tolle Zeitenzauber-Zeitreisetrilogie von Eva Völler. 250 Titel umfasst das Kinder- und Jugendbuchprogramm vom Bilderbuch bis zum informativ und qualitativ hochwertigen Sachbuch für den neugierigen Lesenachwuchs. Christian Matzerath & Max Fiedler haben nun ein neues Leseabenteuer der ganz besonderen Art kreiert. »Das Supertalentier – Lunas großer Auftritt« lag eines Tages überraschend in meinem Briefkasten! Als ich das Buch voller Vorfreude aus seinem Umschlag befreite und die ersten Seiten aufschlug, stachen mir sofort die liebevollen Illustrationen ins Auge. Das Vorabmuster präsentiert auf den ersten Seiten erst einmal ein Making-Of, stellt den Autor Christian Matzerath sowie denIllustrator Max Fiedler kindgerecht vor, erzählt ein wenig über die Geburt des Buches vom ersten Buchstaben bis zum ersten Bleistiftstrich und blickt mit vielen Fotos und Zeichnungen hinter die Kulissen des Kinderbuchs. Eine, wie ich finde, ganz großartige Idee und deswegen muss ich euch dieses Buch nun unbedingt vorstellen!

 

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Illustration am Lichtbrett – Foto © Boje Verlag 2014 · Max Fiedler

 

Nach diesem spannenden Blick hinter die Kulissen starten wir auch sogleich in die Geschichte von Luna, welche bereits in der Nacht, als sie geboren wurde, ihren ersten großen Auftritt hatte. Luna hat drei kleine Brüder, die nur wenige Sekunden vor ihr auf die Welt kamen, in einer vom Vollmond hell erleuchteten Nacht, mitten im Wald in einem kleinen Steinhaus. Die kleine Luna strebt nach Großem, denn sie möchte beim großenTalentwettbewerb der Tiere mitmachen. Luna kann etwas ganz besonders gut, und damit meine ich nun nicht die Fähigkeit ihrer Familie, extra stinkige Pubse in die Nasen ihrer Feinde zu pusten. Nein. Luna ist eine Schattenmimikkünstlerin, sie kann tolle Schattenfiguren ins Mondlicht zaubern. Ihre Freunde, Mistkäfer Oskar und Leuchtkäfer Johannes wollen ihr dabei tatkräftig zur Seite stehen, damit sich ihre Freundin einen großen Traum erfüllen kann.

 

Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum!

 

Der erste Eindruck ist kunterbunt: Farbenfrohe Zeichnungen, farblich akzentuierte und in einer wunderschönen Schreibschrift hervorgehobene Textpassagen peppen die Story auf. Mein kleiner Sohn war sofort begeistert von all den bunten Bildern, deutete aufgeregt auf Blumen, Vögelchen und natürlich die putzigen Käfer und Spinnen, die an den Seitenzahlen baumelten oder ein Buch lasen. Eines steht fest: Auch jüngere Kinder, die noch nicht selbst lesen können, werden ihre helle Freude an den farbenfrohen Bildern haben, und immer wieder neue Entdeckungen machen können, während sie Mama & Papa beim Vorlesen lauschen. Z.a.u.b.e.r.h.a.f.t! Wir sind restlos begeistert und freuen uns schon sehr darauf, das vollständige Buch lesen und bestaunen zu können!

 

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Ein Blick auf das Making-Of im Vorwort des Buches

 

Was uns an der Buchidee so fasziniert, kann man in einem kleinen, aber sehr wirkungsvollen Satz zusammenfassen: Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum. Während viele Erwachsene manchmal vielleicht schon gar nicht mehr daran denken, ihre verborgenen Talente zu entdecken, ihre Träume zu leben, lassen wir uns gerne vom Enthusiasmus unserer Kinder begeistern, helfen ihnen auf dem langen Weg, Träume Realität werden zu lassen. Dieser Weg ist nicht einfach, doch niemand muss ihn alleine gehen. Jeder von uns hat ein Talent, ob groß oder klein. Ich zeichne und male sehr gerne, fotografiere für mein Leben gern und bin ein sehr kreativer Mensch. Mein Papa hatte eine Vorliebe für klassische Musik, musizierte selbst auf dem Cello, der Geige und diversen Flöteninstrumenten (legte dieses Talent auch seiner Tochter in die Wiege). Dieses Buch ist ein Appell an alle Kinder und Erwachsenen, die eigenen Träume nicht aufzugeben und dafür zu kämpfen.

 

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Eine Eule spielt auch eine Rolle! Das allein ist doch schon ein Grund, das Buch zu lesen oder? :-)

 

Die kreativen Abenteuer des kleinen Bombardierkäfermädchens Luna sind seit dem 13. März im Buchhandel zu finden und ich bin mir ganz, ganz sicher, dass dieses Buch meine kleinen Leseeulen begeistern wird. Nach dem Schmökern im Printbuch können kleine wie große Leser noch die App zu Lunas Abenteuern besuchen und mit Minispielen interaktiv in ihre Käferwelt eintauchen. Mein kleiner dreijähriger Sohn wischt und klickt sich schon ganz eifrig durch die moderne Medienwelt, wie ist das bei euren Kindern?

Gewinnspiel rund um dein Supertalent!

 

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Nutze deine Chance und gewinne tolle Preise rund um »Das Supertalentier – Lunas großer Auftritt«: Hast du auch ein tolles Talent, die dich von anderen Menschen unterscheidet? Dann nichts wie mitgemacht, denn es gibt tolle Preise zu gewinnen. Als Hauptpreis winkt eine persönliche Illustration von Max Fiedler mit deinem Lieblingstier und deinem größten Talent. Als weitere Preise gibt es das Buch, das Hörbuch und die App zum Buch zu gewinnen! zeit für die Teilnahme habt ihr bis zum 15. Juni 2014. Alle weiteren Infos erfahrt ihr mit einem *klick* Ganz viel Glück! 

 

Alle Infos rund um das Buch

 

Titel: Das Supertalentier – Lunas großer Auftritt

Autor: Christian Matzerath

Illustration: Max Fiedler

Verlag: Boje Verlag | Bastei Luebbe

Erscheinungsdatum: 13. März 2014

Format: Hardcover

Umfang: 192 Seiten

ISBN: 978-3-414-82359-5

Preis: 12,99€

zum Buch beim Verlag

 

Luna möchte beim Talentwettbewerb mitmachen. Sie zaubert die tollsten Schattenfiguren ins Mondlicht: große und kleine, fliegende und krabbelnde. Doch bis zu ihrem Auftritt vor der Jury ist es noch ein weiter Weg. Wie gut, dass ihre neuen Freunde, der schüchterne Mistkäfer Oskar und der sympathische Leuchtkäfer Johannes, ihr bei diesem Abenteuer zur Seite stehen!


Auch erhältlich als Hörbuch und Hörbuch-Download!

 

Ich hoffe, ihr seid nun auch so neugierig auf das Buch wie wir. :-)
Viele bunte Krabbelgrüße zum Wochenende sendet euch

Sandra

Quelle: http://www.buechernische-blog.de/buchnovitaeten-die-traeume-eines-kleinen-bombardierkaefermaedchens

Fantastische Elemente versus Wissenschaft - ein spannendes Kinderbuch!

Das Haus, in dem es schräge Böden, sprechende Tiere und Wachstumspulver gibt - Tom Llewellyn, Petra Sparrer

Das Kinderbuch, das ich euch heute vorstellen möchte, birgt eine wirklich schräge (Wortwitz), spannend erzählte Geschichte hinter einem Cover, das mich buchstäblich aus den Socken gehauen hat. Ich liebe dieses Cover, ganz ehrlich! Ich könnte es stundenlang betrachten, weil es die Grundidee des Buches so farbenprächtig und innovativ wiedergibt. Hach, einfach toll. Doch nun möchte ich euch erst einmal berichten, worum es in »Das Haus, in dem es schräge Böden, sprechende Tiere und Wachstumspulver gibt« geht. Dieser Titel ist doch wohl der absolute Knaller, oder?

 

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Haus 1418 ist schräg, in mehrfacher Hinsicht!

 

Jacob und Charlie ziehen gemeinsam mit ihrem Großvater und ihren Eltern in Haus Nummer 1418 in der Stechpalmenstraße, einer etwas merkwürdigen Wohngegend. Haus Tilton, wie das Schild am Eingang verlauten lässt, ist ein – wie soll ich sagen – im wahrsten Sinne des Wortes schräges Zuhause: Alle Böden im Haus sind um 3° Grad geneigt und sämtliche Wände, Decken, sogar die Treppengeländer sind mit seltsamen Formeln, Gleichungen und Diagrammen übersät. Der Besitzer, ist vor kurzem verstorben, lebte sehr zurückgezogen und hat sich zuletzt nicht mehr aus seinen vier Wänden bewegt. Familie Hensley kann sich das Haus mit dem Gehalt von Vaters Museumsjob und Mutters Halbtagsjob im Schulsekretariat gerade so leisten und versucht mit ein wenig Farbe an der Außenfassade Gemütlichkeit in ihr neues Zuhause zu bringen. Doch sie sind nicht alleine. Eine Rattenfamilie beansprucht das Domizil des 70jährigen Vorbesitzers  ebenfalls für sich. Das sind jedoch keine gewöhnlichen Ratten, Papa Ratte, der auf den Namen Mr. Daga hört, kann nämlich sprechen und ist sehr erbost, als das jüngste Familienmitglied versehentlich umgebracht wird. Was erlauben sich diese Menschen, einfach in ihr Haus einzuziehen! Doch das ist nicht das einzige Unglück, welches die frisch in Haus Nr. 1418 gezogene Familie miterleben muss. Seltsame Dinge gehen vor sich, die etwas mit zwei rabenschwarzen Geiern, Unsichtbarkeit, Nachbarsmädchen Lola, Wachstumspulver und einem Schatz zu tun haben…

 

Traumhafter Anblick!

 

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Ist das nicht ein wundervoller Anblick? Ich finde dieses Cover grandios schön ♥

Seht euch dieses Cover an, das ist doch ein klarer Kandidat für meine Coverjuwelen, findet ihr nicht auch? Eine erfrischend kreative Farbkombination sowie eine sehr gelungene Kombination aus Illustration undtypographischen Spielereien machen dieses Titelbild einfach perfekt. Das ist ein richtiges Schmuckstück in meinem Bücherregal und wird dort nicht nur mit seinem Buchrücken zu sehen sein. Auch die schwarz-weißen Illustrationen, welche sich oberhalb der Kapitelüberschriften befinden, sind sehr gelungen und runden den Look ab. Interessant finde ich, wie die kreativen Köpfe hinter den Verlagskulissen die zahlreichen Formeln und Phrasen auf den Wänden des Hauses typographisch hervorhoben. Beim Lesen entdeckte ich sehr oft Sätze, die durch eine feine, wie Handschrift wirkender Schriftart betont wurden und so einen zusätzlichen Blickfang bilden. Da merkt man, wieviel Liebe zum Detail in diesem Buch steckt! 

 

Das Titelbild der englischen Hardcoverausgabe gefällt mir nicht ganz so gut. Die Farbgebung ist deutlich wärmer; die Illustrationen des englischen Covers sind schön, der Stil eher scherenschnittartig. Die kühlen Farbtöne passen meiner Meinung nach jedoch besser zum schaurigen Thema, aber das ist wie immer natürlich Geschmackssache.

 

Fantastische Elemente versus Wissenschaft

Ein Sonnenstrahl schien kraftvoll durch die offene Tür und ließ die umherwirbelnden Staubteilchen aufleuchten. Als meine Augen sich an das Halbdunkel gewöhnt hatten, fiel mir etwas auf. Mit Füller und Bleistift gekritzelte Worte, Ziffern, Diagramme und Zeichnungen bedeckten die Wände, die Geländer und fast den ganzen Boden. – Seite 8

Die Hensleys müssen sich an ihr neues, ungewöhnliches Zuhause erst einmal gewöhnen. Eigentlich ist das eine ganz normale Familie, die fünf könnten deine Nachbarn sein.  Wir sprechen hier nicht von Zauberern oder Hexen. Das sind Menschen wie du und ich, mitten aus dem Leben gegriffen. Der einzige Unterschied: Sie leben eben in einem sehr seltsamen Haus, das von außen betrachtet noch nicht so auffällig erscheint, doch hinter Wänden, unter Teppichen, in engen Nischen und selbst auf dem Dachboden für einige Überraschungen sorgen wird. Und sprechende Ratten sind da noch das harmloseste Phänomen! ;-)

 

Eine ganz normale Familie in einem ungewöhnlichen Zuhause

 

Vater Hensley ist der kreative und kunstverliebte Kopf der Familie, liebt seinen Job in einem Museum, während Mama Hensley mit ihrem Halbtagsjob im Schulsekretariat ein wenig Geld zum nicht ganz so prall gefüllten Portemonnaie beisteuert. Auch die Kinder Charlie und Jacob, aus dessen Ich-Perspektive die Geschichte geschildert wird, bietet reichlich Identifikationspotential für die junge Leserschaft. Man möchte schnell Jacobs bester Freund sein, und mit ihm gemeinsam die Geheimnisse des schiefen Hauses erkunden, durch den engenTrau-dich-ganz-nach-oben-Raum im Dachgeschoss kriechen und verborgene Schätze entdecken. Oder dem Geheimnis all dieser Kritzeleien auf der Tapete auf die Spur kommen! Dabei bringt der Autor den jungen Leser auf spannende und kindgerechte Weise mit der Welt der Zeitreisen, physikalischen Gesetzmäßigkeiten und mathematischen Gleichungen ein.  Wissenschaft vermischt mit Fiktion sorgt hier für spannende Aha-Erlebnisse, die verblüffen und dafür sorgen, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen möchte. Tom Llewellyn verblüfft mit seinem Ideenreichtum und ich bin wirklich gespannt, was er in Zukunft noch so aus seinem schrifstellerischen Hut zaubern wird.

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Informationsübertragung.
Klang und Bedeutung.
Zungenschnalzen versus Quieken. – Seite 20

Was den Namen des Autors betrifft, musste ich meine Neugier befriedigen und habe ein wenig im Internet nachgeforscht. Dabei fand ich heraus, dass Tom einen Namensvetter namens Thomas Llewellyn hat; ein theoretischer Physiker und angewandter Mathematiker, welcher Anfang des 20. Jahrhunderts geboren wurde. Ob das ein spannender Zufall ist? Vielleicht holte sich der Autor ja hier ein wenig Inspiration für die wissenschaftlich angehauchten Aspekte des Buches?

 

Packend bis zur letzten Seite!

 

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Der erfrischende, packende Erzählton nimmt junge wie erwachsene Leser einfach an die Hand und zieht sie mitten hinein in ein spannendes, gruseliges und oft sehr lustiges Abenteuer. Sympathiepunkte sammelt Familie Hensley bei mir allein schon durch den Umstand, dass sie erst einmal Buchstapel unter die Möbel legten, um die Schräge der Räume auszugleichen. Keine Sorge, den Büchern passiert dabei bestimmt nichts. Doch auch der emotionale und ernstere Teil des Plots wusste mich zu begeistern. Die Auflösung rund um Haus Tilton auf den letzten etwa 50 Seiten des Buches überrascht, bewegt und schließt die Geschichte mit einem sehr zufrieden stellenden Ende ab.

 

Dieses Kinderbuch ist wirklich pures Vergnügen und versetzt mich zurück in meine eigene Kindheit, als ich noch Höhlen aus Stühlen und Wolldecken baute oder Schatzkarten zeichnete. Tom Llewellyn schrieb »Das Haus, in dem es schräge Böden, sprechende Tiere und Wachstumspulver gibt« zwar als Standalone, doch ich könnte mir durchaus vorstellen, in weiteren spannenden Geschichten rund um Haus Nummer 1418 in der Stechpalmengasse zu schmökern. Das wollte ich genauer wissen und darum habe ich Tom Llewellyn einfach mit ein paar Fragen gelöchert. Da die Antwort noch ein wenig auf sich warten lässt, veröffentliche ich das kleine Interview etwas später separat. Ich hoffe, das klappt so wie ich es mir wünsche :-)

 

Mein FazitEin spannendes, schaurig-schönes Abenteuer, welches ich kurz nach dem Beenden zunächst mit vier Monsterpunkten bewerten wollte. Einen Tag später, nachdem ich es etwas sacken ließ, betrachtete ich das Cover, ließ das Gelesene noch einmal Revue passieren, erinnerte mich mit einem Schmunzeln an so manche witzige Situation und dachte an die gefühlvollen Momente, die Auflösung und das Ende, das dieses Kinderbuch einfach rundherum gelungen abschließt. Nein, dieses Buch mit seinem außergewöhnlichen Titel hat die volle Punktzahl verdient. Darum hebt das gelbe Lesemonster nun fröhlich sein Schildchen hoch und verkündet lautstark: 5 Monsterpunkte für ein tolles, ein wenig – im wahrsten Sinne des Wortes – schräges Kinderbuch, das ich euch allen wärmstens ans Herz legen möchte, großen wie kleinen Schatzsuchern!

 

Bewertung: 5 Lesemonster-Punkte

Mysteriöse Post!
Mysteriöse Post!

Vor zwei Wochen kam ein sehr mysteriöser Brief mit Poststempel aus Amsterdam hier in der Büchernische an. Was konnte das nur sein? Kein Absender zu sehen. Ich kannte niemanden aus den Niederlanden, sehr merkwürdig. Voller Neugier, aber auch ein wenig misstrauisch öffnete ich vorsichtig den Umschlag. Ein handschriftlich verfasster Brief befand sich darin, an mich adressiert. Moment mal, woher wusste der Absender von meiner Liebe zu Neuseeland? Das wird ja immer gruseliger. Doch damit nicht genug!

 

Schreckliche Dinge gehen vor sich, das Haus in Klammroth ist niedergebrannt und Anais, die Verfasserin dieses Schreibens, musste umgehend aufbrechen, um sich um die Ruine zu kümmern. Dabei hatte sie doch geplant, am ihr neues Werk vorzustellen! Welch eine Katastrophe…

Das roch doch alles sehr nach dem geheimnisvollen, weißen Kaninchen! Unter dem Zettel stand eine Internetadresse geschrieben, die ich auch sogleich besuchte. Was ich entdeckt habe?

 

Klammroth

 

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Seit Jahren ist der uralte Tunnel stillgelegt. Doch etwas geht um in den Tiefen des Berges. Kinderstimmen wispern im Dunkel, und etwas regt sich in den Schatten. Einst war Klammroth ein stiller Weinort am Fluss – bis eine Katastrophe die Idylle zerstörte.  Dutzende Kinder starben bei einem verheerenden Unfall im Tunnel, viele weitere wurden entstellt. Nun, sechzehn Jahre später, kehrt eine der Überlebenden nach Klammroth zurück: Anais hat die Qualen des Feuers noch nicht überwunden, als ihr Vater sie zu sich ruft. Etwas Unerklärliches erscheint des Nachts vor den Fenstern. Gespenstisches geschieht – und jemand fordert neue Opfer. Der Tunnel hat Anais nicht vergessen … © Bastei Lübbe

 

Bei diesem Schreiben handelt es sich um ein interessantes Buchmarketing rund um Isa Grimms neuen Krimi »Klammroth«, der am 13. März 2014 bei Bastei Lübbe erschienen ist. Die Leseprobe hört sich wirklich unheimlich spannend an, düster und beklemmend. Das Buch wanderte ganz flott auf meine Wunschliste. Die Autorin, welche unter dem Pseudonym Isa Grimm schreibt, arbeitet als promovierte Dramaturgin an einem großen deutschen Theater und kennt sich offensichtlich bestens mit Gespenstern und Geistern aus. Das klingt sehr verheißungsvoll, nicht wahr?

 

Da ich im Moment mal wieder Lust auf einen geheimnisvoll-düsteren Krimi habe, klingt das nach einer sehr interessanten Lektüre! Schon gelesen?

 

Spannungsgeladene Grüße

Sandra ♥

Eine Ode an das Leben und generationsübergreifende Freundschaft!

Das Leben ist ein listiger Kater - Marie-Sabine Roger, Claudia Kalscheuer

Marie-Sabine Roger - dieser Name sagte mir bis zu ihrem dieses Jahr erschienenen Roman »Das Leben ist ein listiger Kater« nichts. Es scheint mir etwas entgangen zu sein, wie ich feststellen durfte. Denn dieses Buch aus dem frisch in See gestochenen Atlantik Verlag hat mich völlig für sich gewinnen können. Der Buchschnitt sah nach dem Beenden dieser Lektüre ähnlich aus wie Alex Capus Lesehighlight »Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer«. Auch Marie-Sabine Roger konnte mich überzeugen und wird in die ganz besondere Liste meiner Lesehighlights aufgenommen. Warum? Davon möchte ich euch nun berichten.

Eine Ode an das Leben

 

Jean-Pierre wacht in einem weißen Krankenhausbett auf, er empfindet starke Schmerzen. Doch warum er hier gelandet ist, weiß er nicht. Jean-Pierre kann sich an den Moment des Unfalls und das, was kurz davor geschah, nicht erinnern. Wohl aber stört ihn so einiges in diesem Krankenhaus. Türen bleiben offen stehen, seine Privatsphäre wird nicht geachtet und die Ärzte sehen ihn als das an, was mit ihm passiert ist: eine Amnesie mit Knochenbrüchen, die zusammengeflickt werden muss. Da wäre dann noch sein Retter in der Not, eine dynamische, engagierte Krankenschwester mit Herz und dieses etwas pummelige 14jährige Mädchen, das immer wieder ungebeten in sein Zimmer hereinschneit. Ganz so trist und grau scheint das Leben des alten Mannes, der sonst mehr in sich zurückgezogen lebt, doch nicht zu sein!

 

Der erste Blick auf ein neues Buch ist immer etwas Besonderes. Es wird bestaunt, beschnuppert und eingehend betrachtet. Dieser Roman gefiel mir äußerlich schon auf den ersten Blick. Das Cover macht einen leichten, zarten Eindruck: sanfte Aquarellfarben, wenige Tuschestriche und viel Weiß dominieren das Bild und harmonieren mit dem beschwingten Innenleben des Romans. Wer wie ich noch nichts von der Autorin gelesen hat und ein wenig recherchiert, wird feststellen, dass auch die Hardcoverausgaben von »Das Labyrinth der Wörter« und »Der Poet der kleinen Dinge« in ähnlichem Design bei Hoffmann & Campe erschienen sind. Ich persönlich finde es immer sehr schön, Bücher eines Autors im selben Look nebeneinander ins Regal stellen zu können.

 

Der Roman ist übrigens Bestandteil des kürzlich frisch gegründeten HoCa-Imprints Atlantik Verlag. Das neue Flagschiff kommt mit einem frischen Programm, bestehend aus erzählenden Romanen, Sachbüchern, Anthologien und Geschenkpapier und ergänzt das Programm von Hoffmann & Campe um einige tolle Buchschätze. Im Laderaum brachte der Verlag so manchem Blogger in den vergangenen Wochen tolle Post an Land, bestehend aus einer buchtreuen Stofftasche, dem Bücher-Tagebuch sowie dem aktuellen Frühjahrsprogramm. Ahoi Atlantik Verlag, möge stets guter Wind das Verlagsschiff Richtung Erfolg bringen!

 

Es ist nie zu spät, zu leben!

 

Marie-Sabine Roger schreibt in der Ich-Perspektive und sprach mich sofort mit ihrer schrullig-liebevollen Art, Worte zu Papier zu bringen an. Der Plot wird vom trockenen Humor eines alten Mannes bestimmt, der ein langes Leben gelebt hat, viel erlebt hat und im Laufe der Geschichte sich selbst eingesteht, wie lebenswert sein Leben doch eigentlich war und ist, auch und gerade im Alter. Der 67jährige Protagonist nimmt kein Blatt vor den Mund und schreibt frei von der Seele, wie er seinen Klinikalltag erlebt. Dabei springt er gedanklich in die Vergangenheit, schwelgt er in Anekdoten aus seinem Elternhaus und seiner Jugendzeit, reflektiert auf humorvolle Weise über das eigene Verhalten gegenüber Eltern und Geschwistern. Gewürzt mit einer kräftigen Prise Humor und einigen Gramm Sarkasmus stellt uns Roger einen respektvollen, höflichen alten Herrn vor, der seine Situation und sein Umfeld intensiv beobachtet, kommentiert und dabei auch an sich selbst kein gutes Haar lässt.
 
Diese Art von zwischenmenschlichen Beziehungen ist übrigens ganz erstaunlich. Kein Tag vergeht, ohne dass man mich mit einem Interesse, das nicht geheuchelt wirkt, fragt, ob ich an diesem Morgen schon Darmwinde hatte. Instinktiv weiß ich, dass es unpassend wäre zu antworten: "Ja, danke, und Sie?
Halt! Jeder hat seinen Platz. Der Patient bin ich. - Seite 20
 
Selbstironisch vom grauen Haupthaar bis zum eingegipsten Fuß wettert er über offene Türen, rücksichtslose Jugendliche und Ärzte, die ihn nicht als Menschen sehen, sondern aus einem Stück Fleisch, bestehend aus Eingeweiden, Knochen und zu diagnostizierenden Krankheiten. Und überhaupt, was fällt den Krankenschwestern - die bestimmt nichts unter dem Kittel tragen, aber das habe er noch nicht eruiert - nur ein, hereinzuplatzen, die Türen offen stehen zu lassen und morgens um 6 Uhr die grelle Neonröhre an der Zimmerdecke anzuknipsen. Die heutige Jugend, immer in Eile. Frei nach dem Motto:
 
Technik einwandfrei, Respekt Glückssache, Mitgefühl gegen Aufpreis. - Seite 7
 

Der Freundschaftsaspekt

 

Dieses Buch ist höchst erfrischend zu lesen, eben wie das Tagebuch eines Mannes, der einfach seine Gedanken niederschreibt, wie sie ihm gerade in den Sinn kommen. Pur, direkt und ehrlich. Oft musste ich schmunzeln, nickend beipflichten und das, obwohl ich nun wirklich nicht die Lebenserfahrung von über 60 Jahren aufweisen kann. Ich fühlte mich einfach angesprochen und stellte dabei mit jeder Seite fest, mit welcher Herzensgüte und Wärme die Autorin ihren Charakter darstellte. Dieser Roman ist das intensive Portrait eines Lebens, mit all seinen Höhen und Tiefen.
 
Ich habe es immer komisch gefunden, seine Memoiren zu schreiben. Es hat etwas Peinliches. [...] Bevor man abtritt, bringt man noch schnell auf Hochglanz, was man nur kann, man wischt Staub und kehrt allen Dreck unter den Teppich. - Seite 29
 
Es lässt uns zum einen am bunten Lebensweg zweier Freunde teil haben: Rebellen zwischen kunterbunten Hippies mit Joints im Mundwinkel und einer heroischen Vaterfigur, neben der Jean-Pierre selbst so klein und unscheinbar wirkte. Ein aufregendes Leben, getragen von einem Erzählstil, der bunte Bilder vor den Augen entstehen lässt, ein Schmunzeln auf die Lippen zaubert und immer wieder wahre Lachsalven provoziert. Amüsant, zynisch und gleichzeitig tiefsinnig greift Roger auf ihr breitgefächertes Repertoire an Ideen zu und zeigt mit einfachen, aber wirkungsvollen Worten den Wert einer wahren Freundschaft.
 

Man lebt nur einmal... Carpe diem!

 

Im Kontrast dazu lässt die Autorin tief in die Abgründe des Lebens blicken. Ich möchte dazu nicht zuviel verraten, aber ich musste mich doch ein ums andere Mal nachdenklich zurücklehnen. Dass das Leben kein Zuckerschlecken ist, bekommen wir alle im Laufe unserer Zeit zu spüren. Womit wir bei den ernsten und nachdenklich machenden Facetten dieses Romans wären. »Das Leben ist ein listiger Kater« zeichnet auch das Portrait eines Menschen, der manches bedauert, der in sich geht und merkt, wie ihm das Leben langsam entgleitet, zwischen den Fingern zerrinnt. So erinnert er sich an sein erstes Fahrrad, oder den Geruch von Mutters Putzmitteln. 67 Jahre gehen an einem Menschen nicht spurlos vorüber, das merkt man deutlich an Protagonist Jean-Pierre. Wie gerne er manches anders gemacht hätte, aber auch in vielen Situation genauso wieder genauso handeln würde, beweist die Vielschichtigkeit dieses Charakters.
 
Eine Dummheit, die von Herzen kommt, ist leichter zu verzeihen als ein bequemes Schweigen. Sie ist auch schneller vergessen. - Seite 47
- absolutes Lieblingszitat! -
 
 
Autorin Marie-Sabine Roger hat mit diesem alten Kauz ein real wirkendes Portrait eines Mannes geschaffen, der, gerade weil er Ecken und Kanten hat, so interessant und authentisch ist. Seine schnörkellosen Gedankengänge wusste ich zu jedem Zeitpunkt nachzuvollziehen und mit seiner Ehrlichkeit und ungeschminkten Direktheit konnte er bei mir punkten. Die Autorin wechselt zwischen der gegenwärtigen Situation im Krankenhaus und Jean-Pierres Vergangenheit hin und her, ohne dabei den roten Faden zu durchtrennen. Dabei spricht sie auch gesellschaftlich kritische Themen an, berichtet schonungslos aus dem Alltag eines obdachlosen, schwulen Studenten und berührte damit mein Herz. Gerade diese zart geknüpften Freundschaftsbande zwischen den Generationen, Alt und Jung, macht den Charme dieses Buches aus.
 

Ein Buch, das lange in Erinnerung bleiben wird.

 

Als ich die letzten Worte gelesen hatte und das Buch sanft zuklappen ließ, war dies ein wehmütiger Abschied. Das Ende überraschte mich noch einmal positiv und ließ mich mit einem guten Gefühl im Bauch zurück. Gerne hätte ich noch ein wenig mit Jean-Pierre an der Seine gesessen und über sein Leben philosophiert. Dieser Roman wirkt auch heute, zwei Wochen nach dem Beenden nach und wird mir sicher noch lange im Gedächtnis bleiben. Heute zog mit »Das Labyrinth der Wörter« ein weiteres Buch der Autorin in der Büchernische ein, welches übrigens 2010 mit Gérard Depardieu und Gisèle Casadesus in den Hauptrollen verfilmt wurde. Über diesen Roman habe ich schon viel Gutes gehört. Kennt ihn vielleicht schon jemand von euch, oder habt ihr den Film gesehen?
 
Manchmal verdrücke ich ein Tränchen.
Das ist die Inkontinenz der Erinnerung, das Bettnässen der Gefühle. - Seite 73
 
Mein Fazit: Eine Ode an das Leben, an die Freundschaft! Ein Roman, der auf liebevolle, witzige und leicht sarkastische Weise zeigt, wie lebenswert das Leben sein kann und wie sehr man es in all seinen Aspekten leben sollte, denn man lebt nur einmal. Marie Sabine Roger hat mit farbintensiven, gekonnt platzierten und rhetorisch federleichten Worten das Portrait eines Menschen gemalt, das eindrucksvoller und authentischer nicht sein könnte. Wie das Cover mit seinen Tuschestrichen überzeugt die Autorin mit einem schwungvollem Plot voller literarischer Farbtupfer! 

Lesehighlight 2014 | Kategorie Romane
Prädikat: Lesehighlight der Büchernische

Ein Wortfeuerwerk aus der Feder Alex Capus'

Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer - Alex Capus

- Ende -

 

Wehmütig blicke ich auf diese vier Buchstaben. Dieses Wort, so unscheinbar und kurz, beendet zu meinem Bedauern eine Reise durch ein wunderbares Buch, welches mich gleichermaßen faszinierte, großartig unterhielt und einen tiefen Blick in die Lebensgeschichte dreier Personen gewährte. Personen, die wirklich gelebt und erlebt haben, und deren Geschichten in ihrer Einzigartigkeit bis heute unvergesslich überlebt haben. Nun fanden sie Einzug in das neueste Werk des Schweizer Wortvirtuosen Alex Capus, welcher einem Nobelpreisträger der Physik, einer attraktiven Spionin und einem talentierten Kunstfälscher die Hauptrollen in seinem Roman »Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer« aus dem Hanser Verlag verlieh.

 

Drei Helden wider Willen

 

Ein Tanz durch die Geschichte, auf den Spuren eines jungen Mädchens, die Sängerin werden wollte und am Ende mitten in die Wirren des Krieges gezogen wurde. Ein Rebell, welcher schon früh seine blaue Jacke tragen wollte, sich nicht in eine Schublade schieben ließ und als Erbauer einer Kriegsmaschine mit seinem Gewissen zu kämpfen hat. Eine Ode an die Kunst, deren Wege manchmal auf ungewöhnliche Weise zum Erfolg führen, einen Künstler begleitend, der sein Talent nutzt, um Geschichte lebendig werden zu lassen – wenn auch recht frei interpretiert.

 

Ein wahrer Meister der Erzählkunst

 

Während ich die Zeilen dieses Buches lese, messe ich in Wahrheit eine Flut von Photonen – Schwingungen des Lichtspektrums reizen Sinneszellen in meinen Augen – und verschiedene Regionen meines Gehirns setzen Buchstabe für Buchstabe elektrisch in eine greifbare Geschichte um. Eine Geschichte, die von Möglichkeiten lebt, von Lücken im Kontinuum – ein abstraktes ´Vielleicht´ durchzieht mich ebenso wie die Charaktere in diesem Buch. Ich beginne nachzudenken – meine Phantasie formt Bilder, und ich frage mich, ob eben diese Bilder vielleicht gar nicht existieren, solange sie kein Anderer wahrnimmt? In den drei metaphorisch stark beseelten Geschichten um Felix Bloch, Emile Gilliéron und Laurea d‘Oriano ist ein Zusammentreffen dieser Drei theoretisch möglich – lediglich beweisbar durch die unmittelbare Anwesenheit eines Augenzeugen, welcher hier jedoch stumm bleibt – bleiben muss, denn so obliegt es dem Leser eben jene Lücken zu füllen, welche auch die Protagonisten auf ihrem Lebensweg zu füllen haben.

 

Des Menschen Wissen ist immer lückenhaft, das ist unser Schicksal. Nur deshalb tragen wir letztlich Glaube, Liebe und Hoffnung in unseren Herzen – damit wir diese Bruchstücke unseres Wissens in Beziehung zueinander bringen und daran glauben können, dass das alles hienieden einen Sinn hat. – Seite 148

 

So wie ich nach dem Zuklappen des Buchdeckels auf die erlebte Geschichte zurückblicke, so schwermütig schweift der Blick der auf dem Cover abgebildete junge Dame in die Ferne, während sie auf einem Geländer an einer Hafenanlage sitzt, Schiffe beobachtet und sich vielleicht wünscht, an einem ganz anderen Ort zu sein – oder es gar schon ist, und nun auf Vergangenes zurückblickt. Ich weiß es nicht, werde es nie wissen – und das ist gut so. Mein Verstand akzeptiert beide Realitätszustände, bis der unmittelbare Beweis des Gegenteils meine Ansicht – meine Realität – verändert. Es ist bereits vor dem Lesen des Buches offensichtlich, dass der Verlag die Spionin als Covermotiv auswählte, der einzigen weiblichen Figur des Buches. Warum? Auch das weiß ich nicht. Ich weiß nur: diese Szene wirkt authentisch, verströmt eine nostalgische Atmosphäre, was durch die bläuliche Farbgebung noch unterstrichen wird. Ein Cover, das den Sinnen schmeichelt und Appetit auf den Hauptgang zwischen den Seiten macht.

 

Wortpoesie

 

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Bevor ich in die Leserunde startete, informierte ich mich ein wenig über den Autor, sah mir seine Buchtrailer zum Roman an, schmunzelte über seinen Humor und empfand sogleich großes Interesse für diesen Mann und seine Ideen. Alex Capus’ Leser schwärmten von »Leon & Louise« und empfahlen mir, auch diesen Roman zu lesen und so ist dies dann auch mein erstes Buch des sympathischen Schweizers geworden und es wird sicher nicht mein letztes sein, denn dieser Mann versteht es mit einprägsamen Worten, feinen Metaphern, eleganten und eloquenten Formulierungen und bildgewaltiger Sprache zu schreiben und darüber hinaus hat er eine ausgeprägte Vorliebe für Sätze, die sich schon mal ohne Unterbrechung über eine halbe Seite ausdehnen. Na? War der letzte Satz schwierig zu lesen? Ist euer Gehirn nach dem dritten Komma ausgestiegen und hat sich auf einer Wolke des Vergessens niedergelassen? Alex Capus kann das noch länger – und viel besser, so dass es trotz allem ein Leichtes ist, dem Inhalt folgen zu können. Er fesselte mich an seine Worte, ließ mich nicht los und konnte meine volle Aufmerksamkeit in jeder Sekunde des Lesens voll für sich verbuchen. Eine sehr anheimelnde Form von Tiefgründigkeit schwimmt auf der Oberfläche seiner Sätze und sorgt für intensiven Lesegenuss, Seite um Seite. Wort für Wort. Schon lange nicht mehr sah ein Buch nach dem Beenden so wie auf diesem Foto aus, über und über vollgespickt mit meinen Buchdarts, welche interessante Textstellen markierten. Interessant, einprägsam und auf das eigene Leben anwendbar. Kostprobe gefällig?

 

Sie ist eine erfahrene Reisende und weiß, dass man einander normalerweise nur einmal im Leben begegnet, weil jede vernünftige Reise in möglichst gerader Linie vom Ausgangspunkt zum Ziel führt und zwei Geraden sich nach den Gesetzen der Geometrie nicht zweimal kreuzen. – Laura d’Oriano, Seite 12

 

Die variable Konstante

 

Doch was macht dieses Buch – diese Erfahrung – so einzigartig? Ist es die Perspektive des Erzählers, welche so wirkt, als ob ein Urgroßvater in seinem Ohrensessel sitzt, die Enkelkinder und Urenkel vor ihm auf dem Fußboden, und der alte Mann beginnt damit, aus seinem reichen Erfahrungsschatz zu plaudern? Oder sind es die sehr lose wirkenden Handlungsfäden, welche aber durch abstrakte Ähnlichkeiten doch enger verbunden sind, als man vielleicht auf dem ersten Blick zu ergründen vermag? Das geniale Spiel mit Metaphern, welche ihre wahre Bedeutungskraft dadurch entfalten, weil  sie ursprünglich in den Gedankenwelten der jeweils anderen Protagonisten wurzeln – gepaart mit dem nicht Greifbaren, den Lücken. Theoretische Physik, Wunschträumerei und das Rekonstruieren partiell zerstörter Kunstobjekte liegt eine Gemeinsamkeit zugrunde, die aus Leere besteht – der Unwissenheit darüber, was Wahrheit ist und was nicht, füllen alle drei Protagonisten auf ihre ganz eigene, aber doch so universelle Weise aus. Alles ist verbunden – selbst das, was wir nicht wissen.

 

Anfangs fiel mir der Sprung zwischen den drei Hauptfiguren, zumindest auf den ersten 150 Seiten, ein wenig schwer. Doch spätestens, nachdem ich alle Drei kennengelernt hatte, spürte ich förmlich den Atem der Geschichte. Ich reiste mit dem Fälscher vom kleinen Dörfchen Villeneuve in die weite Welt, atmete den Staub der aräologischen Ausgrabungsstätten Schliemanns ein und hörte eine Melodie im Kopf, wenn Laura d’Oriano des Abends in einer verrauchten Kneipe ihre Gesangskünste zum Besten gab. Ich erfreute mich gleichermaßen an der Musikalität der Familie d’Oriano wie an der sanften Brise, die am Hafen von Nizza wehte. Ich nahm mit Begeisterung Anteil an Felix Blochs Forschungen der theoretischen Physik und konnte mit gutem Gewissen sagen, dass mir die Naturwissenschaften noch nie auf so interessante Art und Weise vermittelt bekommen habe.

 

Dieses Gefühl nämlich, in das sie so lange ihre Zukunftshoffnungen gesetzt hatte, war nichts weiter als das Betriebsgeräusch der Seele, das jeder lebendige Mensch in sich vernimmt, wenn er im Weltengetümmel mal kurz innehält und ein bisschen auf sich achtgibt. – Laura d’Oriano, Seite 87

 

Von den späten Folgen des einen, und dem Aufkeimen und Ausbruch eines neuen Krieges umrahmt, werden die Schicksale der drei Hauptfiguren in Bahnen gelenkt, welche wir als Beobachter – und wenn wir uns mit den Figuren auch im richtigen Leben beschäftigt haben sogar Wissende – wahrnehmen können. Wir tauchen in ihre Gedankenwelten und werden Zeuge moralischer Abwägungen im Kontext dieser einzigartigen Zeit. Besonders die Geschichte um den jungen, intelligenten Bloch, welcher mit seinen Gedanken hadert, sie verwirft – neu überdenkt und sich dann seinem Schicksal fügt, ist sehr gelungen und fast möchte ich behaupten, dass dieser Charakter in dem Buch eine stärkere Präsenz besitzt als die anderen zwei. Aber das mag nur ein Gefühl sein, welches ich persönlich so empfunden habe. Der Physiker wirkte auf mich einfach am interessantesten, eben jenen Mann, der “im Leben unbedingt etwas Schönes, Nutzloses und ganz und gar Zweckfreies zu machen” (Seite 57) gedachte. Ich erinnere mich gut an die Stelle, als Alex Capus die entsetzlichen Verbrechen der Nazis auf seine metaphorische, und doch stellenweise sehr direkte Art zu Papier brachte und mir ein, zwei Mal bedrückende Übelkeit in den Magen steigen ließ.

 

Es war für den Jüngling eine Offenbarung, dass es in dieser aus den Fugen geratenen Welt etwas so Klares und Schönes wie das Verhältnis von Zahlen zueinander gab. – Felix Bloch, Seite 16

 

Ich könnte noch eine ganze Weile weitere Zitate aus diesem wunderbaren Buch niederschreiben, doch würde ich euch den Kern des Buches vorwegnehmen und das möchte ich natürlich nicht. Ich kann es nur sagen: Genießt diesen Roman, erlebt ihn!

 

Mein Fazit: Was ist der Wert der Wahrheit? Gibt es sie im Angesicht so vieler Lücken in dem was wir Wissen nennen überhaupt, oder können wir uns ihr nur annähern? Alex Capus breitet in diesem anspruchsvollen Buch sein Metapherngeflecht aus und lässt seine historischen Figuren darunter handeln, fühlen – und vor allem denken. Es ist keine leichte Zwischendurch-Lektüre, welche einfache Antworten parat hat, sondern ein stark konstruiertes Märchen, dass sich Fragen stellt wie: Was könnten sie in jenen Momenten gedacht haben? Welche Pfade könnten sie beschritten – welche ausgelassen haben? Mit überlangen Sätzen und genialen Metaphern erschafft der Autor einen spannenden Zugang in die Geschichte(n) und lässt sie durch bildgewaltige Sprache lebendig wirken. Ein Roman, wie geschaffen für Freunde des Autors, für Leser abspruchsvollerer Literatur, die gleichsam in Worten versinken und gleichzeitig intellektuell unterhalten werden wollen. Göttliche Lektüre!

 

Meine Wertung: 5of5

 

Prädiakt »Besonderes Buch« der Büchernische – Kategorie Roman

Quelle: http://www.buechernische-blog.de/lesehighlight-2013-alex-capus-der-faelscher-die-spionin-und-der-bombenbauer-buchrezension

Eine Drama im Dystopiegewand! Moment, Dystopie?

Was würdest du tun, um die Menschheit zu retten?

 

Diese Frage stellt der Klappentext, diese Frage stellt sich auch die Protagonistin des mit dem Arthur C. Clark Award ausgezeichneten Romans »Das Testament der Jessie Lamb«, geschrieben von Jane Rogers und bei uns in Deutschland im Heyne Verlag erschienen. Der Klappentext klang höchstinteressant und so bewarb ich mich bei Blog dein Buch für ein Exemplar dieser Dystopie, vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag & die Community.

 

Die Existenz der Menschheit ist bedroht!

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Jessie Lamb ist junge 16 Jahre alt, als die Menschheit unversehens einer unbeschreiblichen Katastrophe gegenübersteht: woher das sogenannte Muttertod-Syndrom stammt, weiß niemand. Man munkelt, Terroristen stecken hinter diesem gefährlichen Virus, der werdenden Müttern und ihren ungeborenen Kindern noch während ihrer Schwangerschaft zum Verhängnis wird. Frauen über 16 Jahren sterben einen qualvollen Tod, es werden keine Kinder mehr geboren. Was dies für den Fortbestand der Menschheit bedeutet – jeder einzelne trägt dieses Virus in sich – wird Jessie in all seiner Grausamkeit vor Augen geführt, als auch Familienmitglieder und Freunde an dieser grausamen Krankheit dahin siechen. Jessie fast einen folgenschweren Entschluss, um selbst etwas zum Fortbestand der Menschheit beitragen zu können…

 

Deutsches Cover, was willst du mir sagen?

 

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Werfen wir zunächst einen Blick auf das Buchcover. Das Gesicht einer jungen Frau, bis auf ihre blauen Augen und ihre Lippen beinahe bis ins Schwarz/Weiß desaturiert, blickt mir unter einem Leuchtschriftzug entgegen. Ich habe mich (nach dem Lesen des Buches) ernsthaft gefragt, wer diese Frau nun sein soll. Die Protagonistin jedenfalls nicht – denn die Augenfarbe passt nicht. Soll es eine der “schlafenden Schönen” sein? Nein – denn die haben ihre Augen wohl kaum offen.

 

Im Gegensatz zum sehr stimmigen englischen Original wurde der Titel in Druckbuchstaben verfasst. Warum? Jessie Lamb schreibt ihr Testament in der Geschichte mit der Hand. Ich muss mich an dieser Stelle ernsthaft fragen, was genau die Designer des deutschen Covers eigentlich mit ihrem Werk ausdrücken wollten, denn einen Bezug zur Story gibt es schlichtweg nicht. Hier hatte der Canongate Books Verlag des englischen Originals eindeutig das bessere Händchen.

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Science Fiction? Dystopie?

 

Arthur C. Clark – jedem Leser von Science Fiction-Literatur dürfte der Name dieses mehrfach ausgezeichneten Schriftstellers hinreichend bekannt sein. Ein Buch, das mit dem nach diesem Visionär benannten und gegründeten Literaturpreis ausgezeichnet wird, muss schon einen besonderen Stellenwert innerhalb dieses facettenreichen Genres haben. Zumindest sollte es so sein – und vor allem sollte es auch in unmittelbarer Nähe eben jener Science Fiction angesiedelt sein. Ich möchte den Juroren dieses Preises nun keinesfalls zu nahe treten, denn sie werden schon wissen, warum sie ihre Preise verleihen; aber wenn eine Geschichte nur marginal am Genre-Tellerrand kratzt und man das “Science” mit einem Elektronenmikroskop suchen muss, ist die Entscheidung doch zumindest mit einem deutlichen Fragezeichen über dem Kopf hinzunehmen. Jane Rogers schaffte es mit »Das Testament der Jessie Lamb« übrigens auch auf die Longlist des Man Booker Prize 2011.

 

Gänzlich anders als erwartet, erweist sich der neue Roman der mehrfach ausgezeichneten Autorin als eine Art Tagebuch. Soweit, so gut. Ich hatte schon öfter mit Büchern zu tun, die erstens in der von mir früher nicht ganz so beliebten Ich-Perspektive verfasst wurden und zweitens fernab des typischen Einheitsbreis dystopischer Zukunftsvisionen anzusiedeln sind. Doch das, was sich hinter den 384 Seiten verbirgt, verwirrte eher, als dass es unterhielt. Nun mag es der Jugendhaftigkeit der Protagonistin geschuldet sein, dass unter all den – zweifellos sehr durchdachten – Gedankengängen wirre Sprünge stattfinden, aber trotz einer leichten Wandlung zum Ende des Buches hin vermisst man oft die kraftvollen, ruhigen Passagen. Es gibt keine epischen Momente, keine Wendungen in der Geschichte. Alles – wirklich alles – ist leicht vorhersehbar und vollkommen linear.

 

Ich bin kein Kind mehr. Wenn ich in die Einzelheiten gehe und zu planen anfange, macht sich ein hartnäckiger Widerstand bemerkbar. [...] Ich möchte, dass er versteht, was ich tue, und es akzeptiert. – Seite 111

 

Der Dystopie-Faktor reduziert sich letztendlich auch nur auf die MTS-Krankheit (Muttertod-Syndrom) und die theoretische Möglichkeit des Menschheitsendes, schafft es jedoch nicht, mich tatsächlich in den Bann zu ziehen, denn bis auf den interessanten Storyansatz passiert recht wenig. Darüber hinaus schürt der Klappentext Erwartungen, welche in der Geschichte selbst in keinster Weise zutreffen. Jessie Lamb ist nicht die Einzige (auch nicht scheinbar), die die Menschheit vor dem Aussterben bewahren kann. Die Buchbeschreibung ist in dieser Beziehung ehrlicher. Ich empfehle eine Leseprobe, um Missverständnissen vorzubeugen.

Mehr als einmal nimmt sich die Story selbst den Wind aus den Segeln, weil sie stetig vor Augen führt, welche zahlreichen Alternativen es im Grunde noch gibt und auf welch dünnem Eis Jessies “folgenschwere Entscheidung” eigentlich fußt. Und eben dies ist auch das generelle Problem der Geschichte: Das Fehlen jedweder Vernunft bis hin zur Unlogik, die einem mit dem Kopf schütteln lässt. Das stete Springen an sinnlose Nebenschauplätze (welche tatsächliche Storyrelevanz hatte bitteschön dieses ständige Betrachten dieser Tierschutzorganisation?) sowie die komplett aufgesetzte Sexszene, die offenbar zum reinen Selbstzweck stattfand – denn sie führte weder zu einer dramatisch anders gelagerten Situation, noch kratzte sie an der Haupthandlung.

 

Interessante Ansätze

 

Was sich mit dem Klappentext bereits angedeutet – ein Virus bedroht die Menschheit und die Wissenschaft versucht verzweifelt, der Lage Herr zu werden – spielt sich im Laufe der Kapitel mehr oder minder imHintergrund ab und unterscheidet sich von anderen Zukunftsszenarien allein dadurch, dass die eigentliche Katastrophe gerade im Entstehen ist, während in den meisten von mir gelesenen Büchern die Menschheit bereits mit den Auswirkungen zu kämpfen hat und sich im Wiederaufbau befindet. Die Idee, an eben jenem Moment anzusetzen ist interessant und auch nicht allzu weit hergeholt, zumal der Zeitrahmen in (sehr) naher Zukunft angesiedelt wurde.

 

MTS war erst ein Riss, aber jetzt bricht die ganze Welt in Stücke. – Seite 143

 

Die Handlung wird in zwei Erzählstränge aufgeteilt, wobei sich der Großteil in der Vergangenheit abspielt. Der Prolog startet in der Gegenwart, Jessie wird gefangen gehalten und greift zu Notizbuch und Stift, um ihre Story niederzuschreiben, um ihr Vermächtnis zu Papier zu bringen. Wir blicken zurück auf ihr Leben im England der nahen Zukunft und verfolgen ihren Weg bis hin zu dem Moment ihrer Entscheidung, wo schließlich beide Stränge zusammenlaufen. Das ist konzeptionell interessant und durchaus spannend, wird aber durch ein viel zu frühes Offenbaren der Person, welche Jessie gefangen genommen hat, zu einem langweiligen Nebenschauplatz degradiert. Im Nachhinein betrachtet führt dieser Erzählstrang sich sogar selbst ad absurdum, weil er zum einen die logisch schwächste Stelle des ganzen Buches beinhaltet und zum anderen keinerlei Auswirkungen auf die Kerngeschichte hat.

 

Die Story wollte und wollte nicht zünden, löste auch keine Gefühlsregungen in mir aus. Nach etwa der Hälfte klappte ich das Buch zu, lehnte ich mich kopfschüttelnd in meinem Lesesessel zurück und fragte mich, warum immer und immer wieder dieselben Diskussionen geführt wurden, warum sich die junge Dame nicht weiter entwickelte und wann die Spannungskurve endlich an Fahrt gewinnen würde. Es wurde zunehmend mühsamer, sich durch die Seiten zu kämpfen und nach dem gewissen Kick zu suchen. Dabei ist der Grundgedanke, dass ein einzelner Mensch mehr bewirken kann als er sich vorstellen kann, logisch und nachvollziehbar. Würde sich jeder der Verantwortung entziehen, dem großen Ganzen einen Dienst zu erweisen, würden wir vor dem unausweichlichen Untergang stehen. Soweit ist das ja alles auch ganz hübsch. Doch handelt Jessie wirklich aus diesen uneigennützigen Beweggründen heraus oder flüchtet sie nur wie alle anderen auch? Das wird einem nie so recht klar – obwohl es das eigentlich sollte bei einem Buch aus der Ich-Perspektive – und wenn man die Motivation der Protagonistin anzweifelt, fällt alles andere in sich zusammen wie ein Kartenhaus im Wind. Ihre Gedanken und Handlungen laufen irgendwann auseinander, was zu einer spannenden Grundlage hätte führen können. Leider vertut die Autorin diese Chance, indem sie ihre Hauptfigur durch Deus-Ex-Machina-Wendungen in ausweglose Situationen zwingt.

 

Vielleicht sollte ich gar nicht kämpfen und mich wehren, sondern jeden Schritt so annehmen, wie er sich ergibt, und darauf vertrauen, dass er mich weiterbringt. – Seite 112

 

Dabei ist die unheldenhafte Tendenz der Jessie Lamb nicht einmal das Problem gewesen. Ich schreibe bewusst “unheldenhaft”, weil ich es so empfunden habe. Natürlich hatte ich gehofft, dass sie eine tragende Rolle zur Rettung der Menschheit inne hält, beispielsweise Immunität gegenüber dem MTS-Virus. Irgendetwas, dass sie vom Rest der Welt unterscheidet, ein Hoffnungsschimmer am Horizont, ein Licht am Ende des Tunnels – wenigstens eine verborgene Heldin, welche in ihre Rolle hineinwächst. Doch nichts davon ist der Fall, und so gleitet die Protagonistin in die Beliebigkeit hinein. Sie ist austauschbar – ein Jedermann mit pseudointellektuellen Gedankensprüngen, welche tatsächlich die einzige Stärke dieses Buches darstellen.

 

Nüchtern, emotionslos, nachdenklich

 

Getragen von einem geradezu trockenen Schreibstil, der mich an wahllos aneinandergereihte Cutscenes erinnert, beleuchtet Jane Rogers die eigentlich furchtbare Zukunftsperspektive anhand Jessies näherem Umfeld. Man erschafft aber keine düstere Atmosphäre, Anspannung oder erzeugt irgendeine Form von Bedrohung, wenn man den gnadenlos zusammengeschrumpften Blickwinkeln der Protagonistin folgen muss, während diese die eigentliche Bedrohlichkeit zum größten Teil durch den Fernseher(!) wahrnimmt. Das ist sicherlich realistisch, weil Jessie eben keine echte Heldin ist – aber will man sowas lesen? Die Autorin versucht auch, ihre Protagonistin durch vereinzelte Situationen mit der sich verändernden Gesellschaft zu konfrontieren. So wird Jessie in einem Kapitel überfallen – das passiert natürlich nur in einer MTS-gebeutelten Welt. Desweiteren wird einem weis gemacht, dass Homosexualität ein quasi-Ausweg für viele Männer darstellt. Frau Rogers, Sie können den biologischen Imperativ eines ganzen Geschlechts nicht einfach ausknipsen, nur weil es ihrer Geschichte dienlich ist. Auf der anderen Seite findet auch eine Vergewaltigung statt – ja was denn nun?

 

Alle, die jetzt leben, können aus ihrem Leben das Beste machen. Alle Ungeborenen wissen nicht, dass ihnen etwas entgeht. Vielleicht kommt ja nach uns etwas Besseres. – Seite 214

 

Familienmitglieder, Freunde aus der Schule, Menschen in ihrer unmittelbaren Umgebung erkranken – sterben, doch Jessie nimmt dies meines Eindrucks nach recht emotionslos wahr. Überhaupt wirkte ihre Figur bis zum Schluss gefühlskalt auf mich, ihre Motivation ist mir selbst jetzt nach Beenden des Buches nicht wirklich klar geworden. Dies ist sowohl dem Schreibstil geschuldet als auch der zu oberflächlichen Charakterzeichung. Jessie Lamb möchte verstanden werden, doch meine Zweifel wuchsen, ob sie dies mit ihrem sturen Verhalten durchzusetzen vermochte. Einzig ihre Stärke und letztendlich ihr ungebrochener Willen, sich durch nichts und niemanden beeinflussen zu lassen, imponierten mir. Einige nachdenkliche Passagen, in der die Protagonistin ihre Erlebnisse hin und wieder reflektieren darf, stellen die eigentliche Stärke des Buches dar. Das offene Ende lässt leider nur zwei Möglichkeiten zu, so dass man sich auch hier nicht den Kopf übermäßig zerbrechen wird.

 

Mein (ausführliches) FazitDie Idee eines die Menschheit bedrohenden Virus ist nicht neu. So bleibt dem Ansatz dieser Geschichte eigentlich nur die spezielle “Schwangere sind betroffen”-Note. Jane Rogers hat eine Geschichte um eine Geschichte gewoben, welche sie eigentlich hätte erzählen sollen. Durch den stark eingeschränkten Blickwinkel der Protagonistin kann der Leser die Bedrohung kaum wahrnehmen, weswegen es ständig an Dramatik fehlt. Alles fließt linear von Anfang bis Ende – alternative Lösungswege gibt es zwar, doch sind diese abstrakt und nehmen der Bedrohung sämtliche Intensität. Mir bringt es als Leser nichts, wenn die immer gleichen Diskussionen am Kern des Themas vorbeiführen und erst dann Klartext geredet wird, wenn das Ende längst fest steht – was bereits nach der Hälfte des Buches der Fall ist.

Wendungen gibt es nicht – darüberhinaus trieft der Plot vor jugendlicher Naivität, die mit solcher schon fast nicht mehr zu erklären ist. Das geht so weit, dass man gegen Ende des Buches mehrmals mit dem Kopf schütteln muss und das Logikverständnis der Autorin anzweifelt. Seine Stärken bezieht das Buch aus vereinzelt auftretenden Kommentaren und Ansichten, welche auf dem Niveau einer Abiturientenklasse vor sich hin köcheln. Der Dystopie-Faktor ist nur rudimentär vorhanden und einen Science-Fiction-Aspekt gibt es meines Erachtens überhaupt nicht. Das deutsche Cover verfehlt das Thema völlig und der Klappentext informiert darüber hinaus auch noch falsch.

Quelle: http://www.buechernische-blog.de/jane-rogers-das-testament-der-jessie-lamb-buchrezension

BookLikes Goodies - Widgets

Reblogged from BookLikes:

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- pick total number of books and books in one row - this will influence widget size;

- select how books should be sorted: by read date (read books), add date, rating stars (read books), author, title;

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Once you choose your options, copy/paste HTML into your Web site and voila! 

 

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On Widget page you’ll also find BookLikes social icons that you can use and show your BookLikes profile next to your other social media on your other websites. Show your writing and Shelf - feel free to download images and implement them on your other blogs and sites with a link to your BookLikes profile.

 

And now it's time for Goodies :-)

Ein Buch, das zum Träumen einlädt...

Silber - Das erste Buch der Träume: Roman - Kerstin Gier

"Nirgendwo lernt man einen Menschen besser kennen als in seinen Träumen, und nirgendwo kann man über seine Schwächen und Geheimnisse erfahren." - Henry, Seite 356

"Welch ein schöner, klangvoller Titel für ein Jugendbuch!", sagte ich mir, als ich das erste Mal von Kerstin Giers neuer Trilogie, erschienen am 20. Juni im Fischer FJB Verlag, erfuhr. Die Autorin selbst ist trotz ihres großen Erfolges mit ihren Büchern auf dem Teppich geblieben: Der erste Band der Edelsteintrilogie wurde bereits verfilmt und die visuelle Umsetzung eines ihrer weiteren Bücher ist bereits in Planung. Nun hat die Bestsellerautorin den Grundstein für eine neue Jugendbuchreihe gelegt, mit Erfolg, wie ich selbst festgestellt habe. Denn auch ich konnte mich dem Sog von der Träume nicht entziehen und verschlang die 400 und ein paar Seiten in der Nacht vom 22. Juni 2013 und am darauffolgenden Morgen, während der Silbernacht. Nicht nur dieses Event machte Spaß, auch Kerstin Giers Buch machte Spaß und so möchte ich euch heute meine Meinung zu »Silber, das erste Buch der Träume« - ein Buch, das gerade in (fast) aller Munde ist - mitteilen.

Lasst uns gemeinsam träumen..

Liv Silber, oder eigentlich Olivia, hat vielbeschäftigte Eltern. Ihre Mutter ist Literaturwissenschaftlerin und wechselt ehrgeizig Jahr um Jahr von Lehrstuhl zu Lehrstuhl, ihre entnervten Töchter Olivia und Mia mitsamt Kindermädchen Lottie rastlos mit sich schleppend. Livs Eltern sind getrennt, ihr Vater, von Beruf Ingenieur, war ähnlich ruhelos wie seine Exfrau. Dieses Mal führt der Weg für Mutter und die Geschwister nach Oxford, doch aus der anfänglichen Freude über ein niedliches Cottage außerhalb Londons wird jäh Unmut, als ihre Mutter bei dem Mann einzuziehen gedenkt, der ihr den Lehrauftrag an der Universität verschafft hat: Mr. Planänderung alias Ernest Spencer. Auch die Kinder des neuen Stiefvaters, Florence und Grayson zeigen sich nicht sonderlich begeistert von dieser Idee. Doch das ist nicht alles. Grayson scheint ein Geheimnis mit sich zu tragen und zu allem Überfluss taucht der junge Mann auf einmal in Livs Träumen auf. Seltsame Dinge gehen vor sich, ein unheimliches Ritual, Türen mit Eidechsenknauf und ein düsterer Friedhof bei Nacht wabern durch Livs Verstand. Träumt sie? Oder passiert das hier wirklich?

 



Düster-atmosphärisches Design

Ein großes Auge starrt mir aus dem Zentrum des Covers entgegen, darüber prangt der Titel in silbernen Buchstaben und auch die restlichen Illustrationen auf dem Cover von »Silber« Band #1 sind sehr hübsch anzusehen: florale Elemente, eine stilisierte Eidechse mit einem Schlüssel an der langen Zunge, eine rot akzentuierte Eule und der Schriftzug "dream a little dream" vervollständigen den gelungenen Gesamteindruck der Umschlagillustration. Darunter verbirgt sich ein feuerrotes Buchdeckel, auf welchem eine geheimnisvolle Tür zu sehen ist. Auf dem Vorsatzpapier findet sich neben einem schicken Muster auch noch ein Plätzchen für Ex Libris-Eintragungen. Die floralen Rankenverzierungen setzen sich auch im Buch selbst fort und zieren die Buchseiten - ein rundherum gelungenes grafisches Designkonzept, das mir sehr gut gefiel. Vom Stil her erinnerte mich die Aufmachung an die Edelsteintrilogie, die im Scherenschnittdesign daher kam und ebenfalls eine Augenweide ist.

Interessante Grundidee!

Kerstin Gier hat sich ein spannendes Thema für ihre neue Trilogie ausgesucht: Sie lässt ihre Protagonisten träumen. Das klingt nun nicht ungewöhnlich, doch sie träumen nicht allein. Die Charaktere in »Silber« sind fähig, bewusst einander im Traum zu begegnen und das eröffnet spannende Voraussetzungen für ein düsteres und auch sehr geheimnisvolles Buch. Meine anfänglichen Bedenken, ob mir der Schreibstil eventuell zu jugendlich pubertär wäre, zerstreuten sich bereits auf den ersten Seiten. Kerstin Gier schreibt locker und frech, doch sie übertreibt nicht mit jugendlichem Slang und trägt bei weitem nicht so dick auf wie viele ihrer amerikanischen Autorenkolleginnen. In der Vergangenheit war ich oft genervt, nicht weil mir Charaktere zu naiv vorkamen - das gehört zur Pubertät einfach dazu - sondern weil der Schreibstil gekünstelt, aufgesetzt und unecht wirkte.

"Ich hatte einen wirren Traum gehabt, der auf dem Highgate-Friedhof spielte und eine Art Geisterbeschwörung beinhaltete, in deren Verlauf ich unglücklicherweise auf einem Altar in der Mitte eines brennenden Drudenfußes gelandet war. So weit, so verrückt. Aber keineswegs ungewöhnlich." - Seite 130

Wie froh war ich, dass Kerstin Gier mit witzigem und schwarzem Humor zu unterhalten wusste, eine eloquente Wortwahl in den Mund ihrer jungen Figuren legte und mich ein ums andere Mal zum schmunzeln brachte. Sehr oft griff ich zu meinen Buchdarts und markierte Textstellen, die mit dem einen oder anderen Zitat sicherlich auch den Weg in diese Rezension finden werden, aber auch in meiner Zitatesammlung ein Plätzchen bekommen.

Humorvoll, witzig, gut durchdacht - tolle Mischung!

Kerstin Gier wählt die Ich-Perspektive, um uns aus Liv Silbers Sicht eine rundherum spannende Story zu liefern und mir gleichzeitig eine Protagonistin vorzustellen, deren Wesen und Charakterentwicklung mir recht gut gefiel. Liv Silber ist ein sympatisches, junges Mädchen, besticht durch intelligentes, logisches Handeln und hat mich in ihrer unkomplizierten Art sofort für sich begeistern können. Schön zu sehen, wie sie sich im Laufe der Handlung entwickelt, mitdenkt und mich mit ihrem flapsigen, jugendlichen Charme durch ihre Träume führt. Es wurde nie langweilig, noch eine weitere Traumtür zu öffnen und zu sehen, was sich dahinter verbirgt. Gerade das machte den Spannungsverlauf in »Silber« aus: Der Plot wechselt zwischen der realen Welt des Schulalltages, dem damit verbundenen familiären Umfeld und der nächtlichen Traumwelt hin und her. Befanden wir uns eben noch beim Abendessen, so wechselt der Handlungsort im nächsten Kapitel schon in die Traumwelt. Die Autorin beschreibt die Welt der Träume mit viel Liebe zum Detail und lässt dennoch ausreichend Raum für die Phantasie und Spekulationsbereitschaft des Lesers.

"Und sagen sie, das Leben sei ein Traum: das nicht;
nicht Traum allein. Traum ist ein Stück vom Leben.
Ein wirres Stück, in welchem sich Gesicht
und Sein verbeißt und ineinanderflicht (...)" - Seite 132

Spannungseinbrüche? Keine Spur! Kerstin Giers Einsteig in Livs Traumwelt birgt Suchtpotential und ihre Idee ließ mich federleicht durch die Seiten schweben. Ehe ich mich versah, war das letzte Wort gelesen und ich schloss mit Wehmut den Buchdeckel, denn es hat wirklich Spaß gemacht, diesen Trilogieauftakt zu lesen. Ich hätte am liebsten noch weiter gelesen, immer weiter geträumt, mich in den Träumen verloren und mich in der zarten und wirklich romantischen Liebesgeschichte verloren. Ja, auch Romantikfans kommen auf ihre Kosten und das, obwohl die Protagonistin Miss Silber doch immun gegen Jungs ist? Wie schnell man seine Vorsätze über Bord werfen kann. Es war wirklich für alle Sinne etwas dabei: eine leichte, junge Romanze, Spannung und Mystik um einen Dämon, den Herrscher der Träume - eine gelungene, spannende Mischung!

»Ich zeige dir meine Tür, wenn du mir deine zeigst«, sagte er dann." - Seite 157

Das I- Tüpfelchen bildete der im Buch auch grafisch und in anderer Schriftart dargestellte Tittle-Tattle-Blog, den ihr übrigens wirklich besuchen könnt - ein netter, kleiner Marketing-Gag des Fischer Verlags. Bis zum letzten Wort spekuliert der Leser, wer sich hinter dem geheimnisvollen Schreiberling namens Secrecy verbirgt. Ganz ehrlich? Ich habe da ja so meine Vermutungen angestellt, wer es sein könnte, aber Kerstin Gier verrät es uns (noch) nicht. Habt ihr eine Vermutung wer hinter der geheimnisvollen Person stecken könnte?

Mein Fazit: Ein gelungenes, erfrischend humorvolles Jugendbuch, voller spannender Momente und interessanten Charakteren, das man so schnell nicht mehr aus der Hand legen kann. Ich wünschte, ich könnte noch einmal von vorne beginnen, um mit Liv hinter geheimnisvolle Türen zu blicken und freue mich schon auf die Fortsetzung! Eines ist gewiss: Ich muss nun die Edelsteintrilogie lesen, denn »Silber« macht Lust auf mehr Kerstin Gier!

Volle Punktzahl!

Quelle: http://www.buechernische-blog.de/kerstin-gier-silber-das-erste-buch-der-traume-jugendbuch-rezension-1-3

Kurzweilige, mystisch angehauchte Unterhaltung - mehr leider nicht

Auracle: Ein Mädchen, zwei Seelen, eine Liebe - Gina Rosati

Astralreisen, was genau ist das eigentlich? Der zweite Begriff dafür, außerkörperliche Erfahrungen, erklärt denke ich schon alles. Es soll Menschen geben, die die Fähigkeit besitzen, ihren Geist aus dem Körper zu lösen und sich von selbigem unabhängig von Zeit und Raum fortbewegen zu können. Forscher beschäftigen sich mit diesem Phänomen, das sich in Form der Wiedergeburt auch in verschiedenen Religionen wiederfindet. Um eben diese Fähigkeit, seinen Körper willentlich verlassen zu können und an Orte zu reisen, die ein normaler Mensch entweder nur zu Fuß, per Schiff, mit dem Flugzeug oder schlichtweg gar nicht erreichen kann, geht es in »Auracle – Ein Mädchen, zwei Seelen, eine Liebe« von Gina Rosati aus dem Bloomoon Verlag.

Ein Körper, zwei Seelen, aber Liebe?

Die 16jährige Anna ist ein besonderer Teenager. Sie besitzt die Fähigkeit, willentlich ihren Körper zu verlassen und macht sich gerne einen Spaß daraus, zu entlegensten Orten zu reisen, seien es nun fernen Galaxien oder die Insel Hawaii “gleich um die Ecke”. Nur ein Mensch in ihrem Leben weiß davon seid ihrer Kindheit Bescheid: ihr bester Freund Rei. Rei macht sich stets Sorgen, wenn das magisch-mystische Auramädchen, wie er sie liebevoll tituliert, wieder einmal mit hoher Geschwindigkeit durch den Äther rast, doch Anna beschwichtigt ihren besten Freund jedes Mal aufs Neue. Eines Tages geschieht ein furchtbarer Unfall, und ihre dabei tödlich verunglückte Klassenkameradin Taylor besetzt Annas Körper. Anna ist gefangen in ihrer Dimension, unfähig, selbstständig in ihren Körper zurückzukehren. Nur Rei kann ihr helfen, doch die Situation spitzt sich immer mehr zu!

Grün, mystisch, effektvoll

»Auracle« trägt in der deutschen Covergestaltung des Bloomoon Verlags ein smaragdgrünes Gewand, das Motiv wurde von der englischen, in blau gehaltenen Ausgabe übernommen und ist wahrlich ein Eyecatcher. Ein junges Mädchen in einem weißen Kleid, ins Licht blickend, sie schwebt über dem Erdboden – die Szene wirkt verschwommen, wie durch grünes Glas betrachtet, in der Ferne ist ein Wasserfall zu erkennen. Die außerkörperliche Dimension ist eindrucksvoll kreativ dargestellt worden und wäre mir in der Buchhandlung mit großer Sicherheit sofort aufgefallen.

Auffällig ist – mal wieder – dass es in Deutschland wohl einfach nicht möglich ist, den Titel eines Buches einfach so stehen zu lassen. Das Wort “Auracle” besitzt eine imposante, mystische Macht, welche durch die Untertitelung seines deutungsvollen Klanges beraubt wird.

Erfrischend anderes Thema, aber…

Astralreisen, außerkörperliche Erfahrung – welch ein Potential! Welch ein spannendes, mystisches, erfrischend anderes Thema! Der Klappentext klang sehr verheißungsvoll, machte mich neugierig und veranlasste mich schließlich auch dazu, mich für das Buch zu bewerben. Endlich mal eine neue Idee, jetzt musste es nur noch spannend umgesetzt sein. Leider haperte es genau an dieser Stelle. Dabei gefiel mir der Einstieg in die Geschichte wirklich gut, denn es ging sofort zur Sache. Anna befindet sich in der Schule, die Unterrichtsstunde ist quälend langweilig und wie bei einigen ihrer Mitschüler ist auch ihr Kopf auf die Tischplatte gesunken. Doch Anna hält kein Nickerchen, sie löst sich gerade von ihrem Körper, schwebt über der Klasse und entzieht der Umgebung Energie für ihre bevorstehende Reise nach Hawaii. Ja, richtig gelesen: dort bricht so eben ein Vulkan aus und dieses spektakuläre Ereignis kann sich das magisch-mystische Auramädchen doch nicht entgehen lassen! Klingt spannend, oder? Genauso empfand ich auch, es hatte mich gepackt. Was würde mich nun erwarten, zu welchen Orten würde mich Anna nun mitnehmen?

"Ich strecke mich aus – nicht meinen physischen Körper, sondern das, was jetzt in meinen Körper zurückgekehrt ist. Die Religion lehrt uns, dass jeder Mensch eine Seele hat, einen Geist, ein Chi. Die Wissenschaft bringt uns bei, dass alles im Universum aus Materie oder Energie besteht. Ich glaube, beide Theorien stimmen, und ich beeile mich, um alles wieder zu vereinen." – Seite 11

Die ersten rund 100 bis 150 Seiten schaffte es die Autorin, mich in ihren Bann zu ziehen, in eine mir fremde Welt voller Mystik – in eine andere Dimension. Anna ist ein normaler Teenager, wirkt trotz ihrer Begabung nicht überheblich oder arrogant, ganz im Gegenteil zu ihrer Gegenspielerin Taylor. Sie ist das freundliche Mädchen von nebenan, hat ein relativ gutes Verhältnis zu ihrer Mutter – einer vielbeschäftigten Geschäftsfrau – während die Bindung zu ihrem Vater auf Eiswürfeltemperatur vor sich hinfriert. Seit dieser einen schweren Unfall hatte und dem Alkoholgenuss verfallen ist, nimmt er seine Umgebung nur noch über den Rand seines stets mit Hochprozentigem gefüllten Glases wahr.

“Wir sind wie Yin und Yang, Anna”, sagte er zu mir. “ich bin das Lied und du der Tanz.” – Seite 56

Nachdem ich nun ausführlich über die Möglichkeiten Annas gelesen habe und erfreut darüber war, dass der Spannungsbogen durchaus auf einem stabilen Niveau gehalten wurde, kam langsam aber stetig der Abstieg. Der eigentliche Knackpunkt des Plots – der Tod ihrer Klassenkameradin Taylor – schwang die Story zunächst zum tragischen Höhepunkt empor, doch die nachfolgende Handlung zog sich mehr und mehr in die Länge. Stellenweise musste ich wirklich kämpfen, um das Buch nicht gelangweilt zur Seite zu legen. Es riss mich einfach nicht mehr mit sich, und das, obwohl der Plot an sich spannende Erwartungen schürte : Die Suche nach einer Möglichkeit, zurück in ihren Körper zu gelangen, nachdem sie von der verstorbenen Taylor aus eben jenem ausgesperrt wurde und diese sich einen Spaß daraus macht, ihr “neues Zuhause” auf alle erdenkliche Weise zu verschönern – oder sollte ich misshandeln schreiben? Tattoos, Piercings an den verschiedensten Körperstellen – Racheengel Taylor lässt nichts aus, um Anna zu demütigen und ihr klar zu machen, wer am längeren Hebel sitzt. Das ist schon wahrlich fies und sorgt auch für den einen oder anderen Unterhaltungswert. Doch das mystische Feeling war plötzlich verschwunden. Als hätte jemand den sprichwörtlichen Stecker gezogen. Die Besonderheit der Hintergrundidee wurde fallen gelassen und ersetzt durch eine wilde Verfolgungsjagd, welche nicht so recht Spannung erzeugen wollte. Auch die Auflösung dieser Situation war vorhersehbar, da die Autorin sich nicht getraut hat, dem Ganzen eine besondere oder überraschende Note zu verleihen.

Abwechslungsreiche Charakterzeichnung

Identifikationspotential tragen im Grunde alle Figuren in sich, zugegeben mehr für die Zielgruppe als für mich. Kontrastreiche, sehr ausführlich und farbig dargestellte Charaktere boten mir während des Lesens genügend Abwechslung und sorgten für den einen oder anderen Schmunzler. Wir haben es hier mit einer Außenseiterin mit ungewöhnlichem Outfit, einer reichen, verwöhnten Einserschülerin in Highheels und künstlichen Fingernägeln sowie einem sanften, ebenfalls begabten jungen Mann mit Faible für fernöstliche Meditation und Körperkultur zu tun, in welchen man sich einfach verlieben muss. Liebe, das ist das Stichwort. Auch in »Auracle« deutet sich eine zarte Lovestory an, die aber weit hinter meinen Erwartungen zurückbleibt.
Immerhin trägt das Buch den Untertitel »Ein Mädchen, zwei Seelen, eine Liebe«, dahingehend hatte ich mir mehr Intensität erhofft. Die Liebesgeschichte flötet eher wie eine Hintergrundmelodie in largo vor sich hin, als ob die Violinen ihren Einsatz verpasst hätten. Ich muss aber auch zugeben, dass die gefühlvollen Elemente eine gelungene Abwechslung zum Rest des doch eher düsteren Plots bilden. Auch der Schreibstil in der Ich-Perspektive trägt viel zur Gesamtstimmung bei, stimmig und eloquent trägt er uns durch die Geschichte.
Die Autorin beschreibt die Welt in der außerkörperlichen Dimension mit blumigen Worten, lässt die Natur pulsieren und verschiedenfarbige Auren um Bäume und lebendige Wesen strömen. Diese mystische Atmosphäre hat sie sehr gelungen eingefangen. Farben stehen für verschiedenste Emotionen, für Kälte im Geiste und Wärme im Herzen, für Traurigkeit der Seele und Wut in der Faust. Wie ein Fingerabdruck lässt sich auch die Gesinnung und der Gemütszustand eines Wesens anhand dieser Farben bestimmen. Spannendes Detail und ein Pluspunkt für »Auracle«!

"Wenn ich jemanden ein paar Mal berührt habe, kann ich mir den Rhythmus seines Energiemusters merken. Es ist wie das Schlagzeug in einem Lied. Alle Menschen hinterlassen ein leises Echo." – Seite 94

Gina Rosati schließt diese Geschichte mit einem Ende ab, das keine Fragen offen lässt. Cliffhanger braucht man also in »Auracle« nicht zu fürchten, da die Handlung in sich abgeschlossen ist und man allerhöchstens nun spekulieren könnte, wie Anna ihre außerkörperlichen Erfahrungen in Zukunft gestalten könnte. Ob sie das Wagnis, ihren Körper zu verlassen, erneut eingehen wird und wie sie ihre Fähigkeiten nutzen würde, die mit Sicherheit nicht nur dem Vergnügen dienlich sein könnten.

Mein Fazit: Ein unterhaltsames Jugendbuch mit einer Prise Mystik und einem von der Grundidee erfrischend neuen Thema, das in der Umsetzung ein wenig schwächelt, dennoch aber durchaus für tolle Lesestunden sorgen kann. Empfehlenswerte Lektüre für alle Freunde des Geheimnisvollen und Thriller-Fans, die ein etwas anderes, kurzweiliges Lesevergnügen erleben möchten!

Quelle: http://www.buechernische-blog.de/gina-rosati-auracle-jugendbuch-rezension

Eine ganz besondere berührende L(i)ebe(n)sgeschichte!

Ein ganzes halbes Jahr - Jojo Moyes

Dieser Roman hat Eindruck hinterlassen, es brennt förmlich in mir und ich kann ruhigen Gewissens sagen, dass ich seit »Wunder« nicht mehr soviele Tränen während des Lesens vergossen habe. Doch diese Liebesgeschichte, wie auf dem Klappentext beschrieben, ist kein gewöhnliches Buch. Ich würde es auch nicht unbedingt als Liebesgeschichte bezeichnen, denn es ist eher eine Lebensgeschichte, erfüllt mit der Wärme einer besonderen Freundschaft, die am Ende die zarten Flügel der Liebe um die beiden Protagonisten ausbreitet. Diese Lektüre wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben, warum? Das werde ich euch jetzt erzählen…

 

Ein ganzes halbes Jahr…

 

Will Traynor ist ein lebensfroher Mensch, hat eine erfolgreiche Karriere vorzuweisen, ist schon um die halbe Welt gereist und hat eine tolle Frau an seiner Seite. Doch von einer Sekunde auf die andere verändert sein ganzes Leben, als er Opfer eines Motorradunglücks wird und gelähmt, unfähig seine Arme und Beine zu bewegen, in einem Rollstuhl sitzen muss. Will fällt in ein tiefes emotionales Loch, denn er ist nun rund um die Uhr auf die Hilfe anderer angewiesen. Als Louisa in sein Leben tritt, rechnet er zunächst nicht damit, dass dieser Moment die nächsten Monate nachdrücklich verändern könnte.

 

Ich liebe Scherenschnittmotive!

 

Der erste Gedanke, als ich das Cover sah, war ungefähr folgender: “Scherenschnitt! Ich liebe es!” Im Vergleich zum amerikanischen Layout empfand ich das deutsche Cover, angelehnt an die britische Ausgabe, rundherum gelungen. Ich mag diese monochrome Optik, den Scherenschnittlook, den feinen handwritten-Font und die roten Farbakzente am äußeren Rand des Covers. Es wirkt geradezu unschuldig, wie aus einem Märchen – aber hinter diesem Cover verbirgt sich viel, viel mehr als nur eine märchenhafte Lovestory.

 

Ein Buch, für das ich kaum Worte finde…

 

Was schreibe ich über ein Buch, das mich emotional so beeindruckt hat? Seite um Seite flog nur so dahin, ich vergaß die Zeit um mich herum – irgendwann dämmerte es, die Sonne ging unter und die letzten Seiten las ich unter meiner Leselampe. Einzig die Vernunft, den morgigen Tag nur mit sofortigem Zu-Bett-Gehen überstehen zu können, ließen mich diesen Roman auf den Nachttisch legen und die Augen schließen. Am Tag darauf las ich am späten Nachmittag sofort weiter und legte »Ein ganzes halbes Jahr« nach 1,5 Lesetagen schließlich zur Seite, mit Tränen in den Augen. Jojo Moyes hat es geschafft, mich nach längerer Zeit aus einer Phase des absoluten Leseblues herauszuholen. Das kommt manchmal auch bei der eifrigsten Büchereule vor, das hat noch nicht einmal mit einem bestimmten Buch zu tun. Als die Lesechallenge Anfang April mit diesen gefühlvollen Roman startete, erhoffte ich mir das Ende dieser Phase und wurde geradezu herauskatapultiert!

 

Die Autorin schaffte es mit einer Mischung aus leichtem Erzählstil,intensiven Dialogen und einer unglaublich dichten Story zu fesseln, zu Tränen zu rühren, zum Lachen zu bringen – ein Rundum-Care-Paket für jeden Liebhaber von emotionaler Literatur. Doch dieses Buch ist keineswegs kitschig, oh nein. Jojo Moyes hat sich ein sehr ernstes, schwieriges und kontrovers diskutiertes Thema als Grundlage für ihr Buch ausgesucht, denn die Geschichte wird rund um das Thema Sterbehilfe aufgebaut.

 

Allein schon dieses Wort wird bei vielen Stirnrunzeln hervorrufen, doch für Menschen, die tagtäglich an unerträglichen Schmerzen leiden und deren Lebensqualität gegen den Nullpunkt sinkt, bedeutet dieses Wort Erleichterung, Befreiung und selbst bestimmen zu können, diese Qualen, gegen die sie sich nicht wehren können, zu beenden. Kontrovers gestaltet sich Sterbehilfe schon allein aufgrund seiner rechtlichen Grundlage, wobei man hier zwischen aktiver und passiver Sterbebegleitung unterscheiden muss – letztere ist auch in Deutschland erlaubt. Ich möchte hier nun keine Diskussion lostreten, meine Meinung dazu ist ziemlich eindeutig, doch es ist nie verkehrt, sich mit diesem Thema auseinander zu setzen, seinen Horizont zu erweitern, denn es kann jeden treffen, jung und alt. Jojo Moyes war sich der Brisanz dieses Themas bewusst und hat dies so bewegend, einfühlsam und unglaublich intensiv in ihrer Geschichte verwoben, dass man gar nicht anders kann, als am Ende sich die Tränen aus den Augenwinkeln zu tupfen. »Ein ganzes halbes Jahr« rüttelt auf und hallt auch nach Tagen gleich einer sanften Melodie im Kopf nach.

 

Ein Buch, das atmet - zwei Menschen, die zu Tränen rührten, aber auch zum Lachen brachten! Eine Story, die Spuren beim Leser hinterlässt ♥Dieses Buch mit Worten zu beschreiben, ist nicht einfach. Es klingt in mir wie leise Musik, wie ein einprägsamer Ohrwurm, der sich im Herzen verankert hat. Ich zehre gerade noch von diesem Gefühl, welches sich in mir ausbreitete, nachdem ich die Buchdeckel geschlossen habe – von der Intensität und von diesem Wissen im Inneren, ein wirklich gutes, sehr berührendes Buch gelesen zu haben. Tage später, nach dem Beenden des Buches, habe ich immer noch viele, unterschiedliche Eindrücke vor dem inneren Auge und mache mir Gedanken darüber. Wie kurz das Leben doch ist, welch Verschwendung wäre es, nicht jeden Tag so intensiv wie möglich zu verbringen? Diese und andere Gedanken begleiteten mich morgens nach dem Aufstehen, sie machen nachdenklich, lassen reflektieren. Dieses Buch erfüllt mein Herz mit soviel Wärme, aber es lässt uns auch erkennen, wie zerbrechlich wir Menschen sind.

 

Ich habe unheimliche Angst davor, wie es mit mir weitergeht. [...] Ich weiß, dass die meisten Leute glauben, so zu leben wie ich wäre das Schlimmste, was einem passieren kann. Aber in Wahrheit kann es noch viel schlimmer werden. [...] Und weißt du was? Davon will niemand etwas hören. Niemand will mit einem über diese Ängste reden oder über die Schmerzen oder den Horror davor, an irgendeiner dummen Infektion zu sterben. [...] Im Grunde genommen wollen sie nur die gute Seite sehen. Und sie brauchen es für sich selbst, dass auch ich die gute Seite sehe. – Seite 355

 

Eine Lebensgeschichte

 

Jojo Moyes hat keine Liebesgeschichte im Sinne einer rosaroten Lovestory mit kitschigen Sonnenuntergängen und pompösem Heiratsantrag im Mondenschein geschrieben. Dieses Buch birgt so viel mehr zwischen den Seiten, zwischen den Zeilen. Es verkörpert das pure Leben, mit allen Höhen und Tiefen – so authentisch und unverfälscht, wie es nicht besser hätte beschrieben werden können. Ein wenig Klischee wird zwar bedient, unter anderem sei hier der Kontrast “Existenzminimum versus Reichtum” zwischen den beiden Protagonisten zu nennen, dieser wirkt aber nicht aufgesetzt, denn Will hat vor seinem Unfall das Leben eines jungen Mannes gelebt, der sich alles selbst erarbeitet hat und in seinem Leben viel erreichen konnte. Das klingt nach einem Märchen, ist aber keines. Dieser Roman ist unglaublich pur und ließ mich tief in den Plot eintauchen. Es fühlte sich an, als wäre ich Teil dieser Geschichte, als stünde ich direkt mit im Zimmer, wenn morgens die Vorhänge aufgezogen werden und Lou an Wills Seite sitzt, um ihm beim Frühstück behilflich zu sein. Ich hörte die Meeresbrandung rauschen, glaubte mit am Strand im Sand zu sitzen, während Will auf einer Liege lag und die Sonne genoss. Die Autorin bedient sich einfacher Ausdrucksweise und erzielt damit eine gefühlvolle, gleichbleibend spannende Wirkung,  ich möchte behaupten, sie ließ mich förmlich wie auf Wolken durch das Buch schweben. Ich konnte gar nicht anders, ich musste weiter lesen, immer weiter und weiter. Ich hoffte und bangte, obwohl der – wie ich finde, ein wenig unglücklich gewählte – Titel eigentlich schon andeutet, was den Leser erwartet. Wie farbig Jojo Moyes schreibt, lässt sich am ehesten in diesem Zitat erahnen, einfach wunderbar:

 

Der Frühling kam über Nacht, als hätte der Winter wie ein ungebetener Gast plötzlich seinen Mantel genommen und wäre grußlos abgezogen. Alles wurde grün, die Straßen badeten in einem wässrigen Sonnenschein, die Luft war auf einmal mild. Die Vögel zwitscherten, und eine Ahnung von Blütenduft und Freude lag in der Luft. – Seite 131

 

Es gibt Szenen in »Ein ganzes halbes Jahr«, da verspürte ich den unbändigen Drang, der Protagonistin ins Gesicht zu brüllen, weil sie mir gar so unbeholfen und verantwortungslos vorkam. An anderer Stelle hätte ich zu gerne neben Wills Rollstuhl gesessen und mich mit ihm unterhalten. Die Autorin hat diesem Charakter einen sarkastischen, stellenweise sehr schwarzen Humor verliehen, der einfach klasse, erfrischend und perfekt zu diesem Menschen passte. Wills Zielstrebigkeit, Eleganz und Cleverness gefiel mir unheimlich gut, seine Stärke, seine Willenskraft und sein Wissendurst bildeten einen klaren Kontrast zu Lous stellenweise wirklich unbeholfenem Charakter und verliehen ihm die eigentliche Hauptrolle im Buch. Er erträgt alles mit soviel Tapferkeit, das ist einfach nur bewundernswert. Ein weiterer klarer Pluspunkt: er liebt klassische Musik genauso wie ich!

 

Lou & Will

 

Versteht mich nicht falsch, ich mochte Lou. Sie ist kunterbunt, planlos, denn sie weiß mit ihren 27 Jahren noch nicht wirklich, wohin ihr Weg sie führen wird und klammert sich zudem an eine langjährige Beziehung, die man ob ihrer Eintönigkeit und verpuffter Gefühle nicht wirklich als solche definieren kann. Aber in diesem Alter sollte man eine gewisse Reife besitzen, die setze ich einfach voraus und da enttäuschte mich Lou in manchen Kapiteln doch sehr. Pluspunkt: ihre niedlichen Strumpfhosen! Wovon ich spreche? Lest das Buch!

 

Die Ich-Perspektive aus der Sicht der jungen Frau erzielt zwar die Wirkung, dass sie die tragende Rolle in diesem Buch inne führt, doch es ist ganz klar, wer hier im Vordergrund steht. Überraschenderweise wechselt Moyes mehrmals im Verlauf der Handlung die Erzählperspektive zu anderen Familienmitgliedern. Das war ein hervorragender Schachzug, denn wie könnte man besser die Situation betrachten, als das Umfeld selbst mit Gedanken und Schilderungen zu Wort kommen zu lassen? So erweitert sich wiederum das Blickfeld für mich als Leser, ich konnte mich in die Emotionen des Umfeld hineinfühlen und bemerke, wie unterschiedlich die Menschen in Wills Umgebung – seine Mutter, sein Vater, sein Pfleger – auf die ein und selbe Situation reagieren, was sie bewegt und wie sie damit umgehen. Intensiver lässt sich die emotionale Vielschichtigkeit nicht niederschreiben. Klasse gemacht, liebe Jojo!

 

Genieße einfach das Leben. Lebe einfach. – Seite 519

 

Mein Fazit: Ein bewegendes Buch so voller Leben & Kraft, welches das Herz erwärmt und noch lange nach dem Umblättern der letzten Seite nachklingen wird! Eine gefühlvolle, intensive Lebensgeschichte über eine ganz besondere Freundschaft, die mit Liebe ihren Höhepunkt findet, die man gelesen, gefühlt, erlebt haben muss!

Quelle: http://www.buechernische-blog.de/buchtipp-jojo-moyes-ein-ganzes-halbes-jahr-rezension

Gelungene Märchenadaption à la Aschenputtel

Blut ist im Schuh - Anna Schneider

Rucke die guh,
Rucke die guh,
Blut ist im Schuh,
der Schuh ist zu klein,
die rechte Braut sitzt daheim.

 

Na nu, was ist denn hier los? Märchenstunde in der Büchernische? Ja, das könnte man durchaus behaupten, denn die Autorin des heutigen Buches, welches ich euch vorstellen möchte, hat sich von Grimms Märchen Aschenputtel inspirieren lassen und die weltweit bekannte Geschichte um diese Märchenfigur in einen modernen Thriller der Gegenwart verwoben. Anna Schneiders Jugendthriller verstand es, mich mit einer packenden Story an die Buchseiten zu fesseln und hat mein Bücherregal um ein wahrlich märchenhaft-spannendes Debüt bereichert!

 

(Hass)liebe

 

Amelie ist 15 Jahre alt und ist gerade in eine neue Stadt gezogen. Nachdem ihre Mutter an Krebs verstarb, ist Amelie froh, dass ihr Vater endlich wieder glücklich sein kann, denn er hat auf einer Dienstreise eine neue Frau kennengelernt. In den Sommerferien stand nun der Umzug auf dem Plan und so wohnen die beiden nun gemeinsam mit ihrer neuen Stiefmutter und deren Tochter Sarah in einer neuen Wohnung. Doch Heike, Sarahs Mutter offenbart sich schnell als Hausdrachen und auch die Stiefschwester mit ihrem für Amelie ungewohnten Styling ist dem jungen Mädchen alles andere als sympathisch. Amelie ist froh, um die beiden einen Bogen machen zu können. Sie konzentriert sich auf die Schule und den anstehenden Abschlussball in der Stadt, auf den sie vom wohl süßesten Jungen der Schule eingeladen wurde. Amelie kann ihr Glück kaum fassen, doch das Unheil nimmt seinen Lauf. Sie fühlt sich beobachtet, verfolgt...

 

Eine spannende Märchenadaption!

 

»Blut ist im Schuh« begegnete mir bereits vor einigen Wochen das erste mal auf Facebook, als andere bloggende Büchereulen ein Foto ihres Exemplars posteten. Das Cover und der Klappentext erweckten meine Neugier, kurz darauf fand ich eine Email von Autorin Anna Schneider in meinem Postfach. Ich war überrascht und freute mich sehr, denn sie fragte mich, ob ich Lust auf ihren Jugendthriller hätte. Ein paar Tage später kam das Buch mitsamt einer liebevollen Signatur ins Haus geflattert - vielen, lieben Dank nochmal an dieser Stelle, liebe Anna - und ich war sehr gespannt, was mich erwarten würde. Mein Lesenachwuchs hatte auch schon ein Auge auf das Cover geworfen und so kam es mir gerade recht, dass an diesem Wochenende wieder die Lesenacht mit Anka anstand und zudem zeitgleich eine Leserunde zum Debüt auf lovelybooks.de stattfand. Am gestrigen Abend also machte ich es mir mit dem Buch in der Hand gemütlich und strich erst einmal über das hübsch anzusehende Cover.

Sanfte Pastellfarbenflorale Schnörkel und die Silhouetten zweier Mädchen wirkten auf mich sehr zart, filigran und feminin, aber  auch verführerisch und strahlten eine gewisse Rivalität aus. Der Titel deutete bereits an, dass wir es hier wohl mit einer Märchenadaption zu tun haben. Dies war meine erste Begegnung mit dieser Art Buch und ich war gespannt, wie die Autorin das Märchen von Aschenputtel in der modernen Gegenwart verwoben hatte.

 

blutistimschuh

 

Das Cover wird den Geschmack der jungen Zielgruppe der 12 bis 15jährigen mit Sicherheit treffen, denn nicht nur das Frontbild ist wirklich schön gestaltet, auch der Buchschnitt wurde mit einem floralen Rankenmuster in dunklem Violett verziert. Das Motiv findet sich auch auf jeder Seite rund um die Kapitelziffern sowie unter den Seitenzahlen und spiegelt so dezent den märchenhaften Charakter des Jugendbuches wider.

 

Modernes Aschenputtel

 

Das Märchen »Aschenputtel« dürfte (hoffentlich) jedem ein Begriff sein. Dieses Wissen ist hilfreich, jedoch keine zwingende Voraussetzung, um das Buch verstehen zu können. Die Autorin greift das Thema einer modernen Patchwork-Familie auf, verleiht diesem mit geschickten Handgriffen einen märchenhaften Touch und sorgt für spannende Unterhaltung in 42 recht kurzen Kapiteln. Patchwork-Familien sind in unserer Gesellschaft ein völlig normales Sozialgefüge, im Märchen jedoch hat die Stieffamilie fast immer einen bitteren Beigeschmack, zum Beispiel in Form der bösen Stiefmutter. In »Blut ist im Schuh« hat Anna Schneider das Gewicht auf eben jene negative Waagschale gelegt und dies sehr überzeugend dargestellt.

 

Der locker leichte, nicht zu sehr verschachtelte Erzählstil führt in angenehm flottem Tempo durch das Buch, hält die Spannung auf gleichbleibend hohem Niveau und sorgt des öfteren für ein beklemmendes Gefühl in der Magengrube. Stellt euch vor, ihr glaubt beobachtet zu werden, spürt die Blicke förmlich im Rücken, könnt aber niemanden entdecken. Stalking ist ein brandaktuelles Thema und ich war sehr angetan davon, wie Anna Schneider stets die richtigen Worte fand, eben diese Beklemmung und Angst aus der Sicht eines jungen Mädchens zu erfassen.

Ein weiterer Pluspunkt: Die beiden Protagonistinnen wirkten nicht aufgesetzt oder gar künstlich, im Gegenteil. Die rivalisierenden Stiefgeschwister Amelie und Sarah sind zwei Teenager mit ganz normalen Sorgen und Ängsten; sie kämpfen mit sich und gegeneinander. Amelie übernimmt dabei die Rolle der vorwiegend braven Vorzeigeschülerin, während Sarah die Rebellin verkörpert, auf Gothic steht und ständig in Abwehrhaltung zu stehen scheint.

 

Stellenweise hat mich die junge Dame ziemlich wütend gemacht, denn sie handelte nicht einfach aus purer Aufsässigkeit heraus oder um des Provozierens willen, sondern schlug mit wirklich fiesen Methoden zu, um Amelie eins auszuwischen. Stiefmutter Heike hat dem nicht viel entgegen zu setzen, vielmehr steht sie auf der Seite ihrer leiblichen Tochter Sarah und verhält sich aus meiner Sicht nicht wirklich so, wie es sich für eine Mutter in einer solchen Konfliktsituation gehört. Die Entwicklung der beiden Geschwister im Laufe des Buches gefiel mir dennoch sehr gut, sowohl individuell für sich als auch zueinander: eine typische pubertäre Charakterzeichnung - realistisch, aber nicht zu sehr, im Gesamtbild gut auf den Punkt gebracht.

 

Zusätzlich sorgen Perspektivenwechsel für genügend Abwechslung. Diese zeichnen ein klareres, vielschichtiges Bild der Protagonisten und lassen so Einblicke in die Psyche der so unterschiedlichen Charaktere zu. Für den passenden Gruselfaktor sorgen Kapitel aus der Sicht des Stalkers, versinnbildlichen die Gestalt des bösen Wolfes mit Hilfe metaphorischer Stilmittel und führten mir als Leser den verstörend, krankhaften Wahn dieser Person vor Augen. Die betreffenden Szenen sind sehr kurz gehalten, meistens nur zwei, drei Seiten lang und sorgten im Rahmen der Allwissenheit einer auktorialen Erzählperspektive eindrücklich für beklemmende Schauer mit Gänsehaut. Man konnte förmlich das irre Funkeln im Auge des bad guy sehen!

 

"Er hatte sich gut getarnt. Er war ein Wolf, aber keiner würde ihn erkennen. Er hatte Kreide gefressen, seine Stimme verstellt und auch seine Art, sodass niemand sein wahres Ich ergründen konnte. Er näherte sich ihnen und blieb dennoch unerkannt. Er durfte alles tun: Ihre Fährte aufnehmen, sie beschnüffeln, sich Appetit holen." - Seite 35

 

Spannende Momente bot »Blut ist im Schuh« zur Genüge. Splatterszenen wird man hier natürlich nicht finden, immerhin ist das Buch für Jugendliche gedacht und da haben solcherlei Szenen wirklich nichts zu suchen. Die Stärken des Thrillers zeigten sich in seinen düsteren Aspekten. Er führte geschickt auf falsche Fährten und entließ mich mit einem spannenden Finale. Anna Schneider ist eine wirklich gute Märchenadaption gelungen und trifft damit genau den Nerv des aktuellen Buchtrends.

 

Mein Fazit: Ein gelungenes Debüt, welches klassische Märchenelemente der Gebrüder Grimm mit der modernen Gegenwart verschmelzen lässt und uns magisch zwischen die Seiten zieht. Das macht Lust auf weitere Bücher aus der Feder der Autorin! Unterhaltsame Lesestunden, nicht nur für Teenager!

Quelle: http://www.buechernische-blog.de/debutautoren-2013-anna-schneider-blut-ist-im-schuh-rezension

Buchvorstellung: Das Ende der Sterne, wie Big Hig sie kannte

Stell dir vor, die Welt, wie du sie kennst, existiert nicht mehr. Doch du kannst dich glücklich schätzen, du hast überlebt. Erfreulicherweise bist du auch nicht ganz alleine, zwar ist deine Gesellschaft – dein Beschützer- ein knallharter Typ namens Bruce, vernarrt in Waffen und brutal, doch du kannst dich auf ihn verlassen, inmitten der Einöde, inmitten deines neuen Zuhauses zwischen alten Flugzeugen, Betongebäuden und dem Geruch von Kerosin….

 

Das Ende der Sterne, wie Big Hig sie kannte…

 

Buchcover Genau dies sind die Lebensumstände von Hig. Er lebt gemeinsam mit seinem Hund Jaspar auf einem alten, verwilderten Flughafen nahe der Rocky Mountains und tuckert mit seiner alten Cessna182 über das Gelände und fliegt Patrouille, während sein treuer Gefährte den Job des Copiloten übernimmt. Hig hat überlebt und er schlägt sich tapfer durch, Tag für Tag. Nacht für Nacht. Doch dann weckt ein Funkruf die Hoffnung, außerhalb seiner kleinen Welt, seines neuen Zuhauses, außerhalb dieses Flughafens könnten noch andere Menschen überlebt haben. Hig beschließt, das Abenteuer zu wagen und macht eine Entdeckung, die seine schlimmsten Befürchtungen noch übertrifft und dennoch seine größte Hoffnung ist… 

 

Peter Hellers Debütroman aus dem Eichborn Verlag, der im amerikanischen Original den ebenso treffenden Titel »The Dog Stars« trägt, machte mich neugierig, denn ich lese unheimlich gerne Bücher rund um düstere Zukunftsvisionen, einer dystopischen Welt, nach dem Chaos. Eine Epidemie hat die Weltbevölkerung dahin gerafft, eine furchtbare Vorstellung. Ich möchte mir gar nicht ausmalen, wie es sich anfühlt, alles verloren zu haben. Familie. Freude. Ich stelle mir diese Szene vor, ein alter Flughafen, kalter Beton. Kahle, verdorrte Bäume sind in der Ferne zu sehen, dahinter die Bergkette der Rockies. Die Natur erobert so langsam ihr Territorium zurück, dennoch ist es einsam.

 

 

Das Cover mit seiner Schlichtheit, dem blauen Grundton und den skizzenhaften Andeutungen unseres Planeten, der Sterne und der wirklich passend gewählten Schriftart gefällt mir sehr gut. “Weniger ist mehr” könnte man Motto des Illustratoren nennen und er hat mit diesem gescribbelten Stil genau meinen Geschmack getroffen.

 

Ein Debüt mit intensivem Kopfkino

 

Heller schreibt aus der Ich-Perspektive in einem fast poetischen Erzählstil, ungeschminkt und in kurzen, stakkato-artigen Sätzen, welche die Eindrücke gerade zu ins Lesergedächtnis hämmern. Es ist beeindruckend und spannend, was ich in der rund 30 Seiten langen Leseprobe erfassen kann. Wenn ich mir die Biografie des Autors ansehe, weiß man sofort, woher er die Inspiration zu seinem Buch nahm. Heller liebt das Extreme, er gebürtige New Yorker überquerte die Tsangpo-Schlucht in Tibet mit per Ruderboot, legte die Strecke von Kalifornien bis an die mexikanische Küste mit einem Surfbrett zurück und begleitete Umweltschützer Paul Watson auf seinen Missionen gegen den Walfang. Er weiß also, wovon er schreibt und dies gelingt ihm sehr bildhaft und intensiv. Nach diesen wenigen Seiten möchte ich jetzt wirklich nur noch eines: dieses Buch lesen – oder als Hörbuch lauschen – und erfahren, wie Big Higs Reise unter den Sternen weitergehen wird!

 

Geht es euch auch so? Habt ihr dieses Buch schon gelesen, wie hat es euch gefallen?

 

http://www.buechernische-blog.de/buchtipp-das-ende-der-sterne-wie-big-hig-sie-kannte/

Untot. Lauf, solange du noch kannst - by Kirsty McKay
Untot. Lauf, solange du noch kannst - by Kirsty McKay

Gruselig-humorvolle Lektüre erreichte mich Mitte November vom Chickenhouse Deutschland (Carlsen Verlag) im Rahmen einer großen Buchaktion, danke an dieser Stelle an den Verlag für das Vorableseexemplar und die unterhaltsame Lesezeit, die ich mit diesem Jugendbuch ab 14 Jahren verbringen durfte.

 

Die Rezension zu Kirsty McKays Auftakt einer Trilogie »Untot. Lauf, solange du noch kannst« veröffentliche ich am 27. November hier und auf meinem Blog Büchernische

Humorvoll & kritisch!

Lieber Mischa (...der du fast Schlomo Adolf Grinblum geheissen hättest, es tut mir so leid, dass ich dir das nicht ersparen konnte: Du bist ein Jude) - Lena Gorelik

Lena Gorelik ist Jüdin. Sie lebt in der Gegenwart, nicht in der Vergangenheit des Holocaust und dies stellt sie in ihrem Buch beeindruckend amüsant dar! Sie ist in den 90er Jahren von Russland nach Deutschland gezogen, wurde dort als “Kontingentflüchtling” aufgenommen und lebt seitdem mit Mann und Kindern in München. Gerade ist sie Mutter geworden und möchte in ihrem Sohn im neuesten Buch erklären, warum er auf seine ungewöhnliche Nase stolz sein kann oder wie er es schafft, unter die Top10 der coolsten Juden zu kommen! 

 

Klischees? Aber gerne!

 

Ich habe schon einige Bücher rund um Religion gelesen, habe brav im Unterricht in der Schule gesessen und den Unterschied zwischen verschiedenen Glaubensrichtungen gelernt, aber so humorvoll und befreiend hat sich noch niemand mit den gängigen Klischees befasst wie Lena Gorelik. Ich bin absolut angetan von ihrem Schreibstil, der mich regelrecht durch die Seiten fliegen lässt, schmunzelnd über Randkommentare - ja, richtig gelesen, am Rand wurden in kleingedruckter Schrift Kommentare eingefügt, die dem Ganzen eine besondere Note verleihen- und Kommentaren zu Kommentaren und natürlich Kommentaren zum Kommentar zum Kommentar!

 

Köstlich, einfach nur herrlich ist dieses Buch auf den seinen insgesamt 185 Seiten. Vom Hund, der typisch jüdisch zwischen Milch und Fleisch essen eine Pause einlegt, indem er nur das Hähnchen vom Corden-bleu separat frisst, den Schinken verschmäht und den Käse zum Abschluss vertilgt bis zum Lieblingshobby eines Juden: dem ausgiebigen Feiern mit dazugehörigem Festmahl – wenn man es denn als solches bezeichnen kann, was teilweise offensichtlich nicht immer der Fall ist – ist alles drin, was unter den gängigen Klischees eines Nichtjuden über ein jüdisches Mitglied der Gesellschaft verbreitet ist.

 

Aus dem Kapitel “Zehn Gebote für G”tt: 8. Gebot Du sollst George Clooney nicht die Nespresso-Kapseln klauen. (Und eine Frage hierzu: Siehst du aus wie John Malkovich, oder ist John Malkovich du?) – Seite 146

 

Die Autorin geht mit diesem Thema so humorvoll und erfrischend witzig um, dass es eine wahre Freude ist, dieses kleine 185 Seiten schlanke Buch zu lesen! »Klein, aber oho« trifft es hier auf den Punkt! Sie richtet das Buch an ihren kleinen Sohn, um ihm zu erklären, dass er ein Jude ist, und dafür kann er nichts, das ist einfach so. Sie gibt aber gleich Entwarnung, denn sie ist nicht die typische jüdische Mutter, die ihrem Kind gefühlte zwanzig Mal am Tag hinterhertelefoniert, um sich zu vergewissern, dass mit dem wohlgemerkt erwachsenen Nachwuchs alles in bester Ordnung ist. Schmunzeln erlaubt, Lachen ebenso! Ja, es ist ein wahrlich schwieriges Thema, sagt nun so mancher deutscher Bürger. Warum denn? Darf man sich nicht humorvoll über das Judentum äußern?

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Quelle: http://www.buechernische-blog.de/lena-gorelik-lieber-mischa-der-du-fast-buchrezension
Life of Pi - Yann Martel Schiffbruch mit Tiger - Life of Pi - Yann Martel Schiffbruch mit Tiger - Yann Martel, Manfred Allié, Gabriele Kempf-Allié Life of Pi - Yann Martel Life of Pi - Yann Martel

Vor elf Jahren, im Jahr 2001 gelingt dem kanadischen Schriftsteller Yann Martel, der zu diesem Zeitpunkt bereits einige mehr oder wenige erfolgreiche Veröffentlichungen zu verbuchen hatte, der Durchbruch mit seinem Roman »Life of Pi«. Während des Schreibprozesses hielt sich Martel ein halbes Jahr lang in Indien auf, recherchierte hautnah und beschäftigte sich intensiv mit religiösem Schriftwerk rund um das Thema Schiffbruch. In Indien besuchte er Moscheen, Tempel und Kirchen und ließ sich zwei Jahre Zeit, um das Manuskript für »Schiffbruch mit Tiger«, wie der deutsche Titel lautet, zur Vollendung zu bringen.

 

Bereits ein Jahr nach Veröffentlichung erhielt der Kanadier den mit 50.000 Pfund Sterling wichtigsten britischen Literaturpreis Man Booker Prize for Fiction. Dieses Jahr, mehr als ein Jahrzehnt nach dem mittlerweile mit 7 Millionen verkauften Exemplaren zumWeltbestseller avancierten Roman hat sich Ang Lee, seines Zeichens bekannter taiwanesischer mehrfach ausgezeichneter Regisseur (Regie-Oskar für Brokeback Mountain 2006) dem Titel angenommen und daraus in langer Arbeit mit nicht zu unterschätzenden Schwierigkeiten ob des komplexen Buchstoffes einen Film erschaffen, der bildgewaltig und farbenprächtig auf den Kinoleinwänden erstrahlen wird.

 

Am 26. Dezember, am 2. Weihnachtsfeiertag startet der Streifen in beeindruckender Dreidimensionalität in unseren Kinosäalen, die Premiere findet am 28. November in Berlin statt.

 

Ich hab tolle Neuigkeiten für all diejenigen unter euch, die das Buch nun gerne noch vor dem Kinofilm lesen möchten, und das nicht alleine, sondern sich darüber auch noch ein wenig austauschen möchten. Karla von lovelybooks.de hat sich zusammen mit 20th Century FoxStiftung Lesen, den Fischer Verlagen & den Penta Hotels eine Wahnsinns-Aktion ausgedacht.

 

Wir können nicht nur eines von 50 Leseexemplare für die Leserunde gewinnen, es werden exklusiv 3×2 Kinokarten für die Filmpremiere am 28.11.2012 in Berlinverlost, außerdem warten Fanpakete mit weiteren Kinokarten in einem Kreativwettbewerb auf ihre glücklichen Gewinner!

Ich lese gerade

Mehr als das
Patrick Ness
Bereits gelesen: 102/512 pages
Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert: Roman
Joël Dicker
Bereits gelesen: 280/736 pages